Das 26. Museumsfest in Linstow 2018

Vom 7. bis 09.09.2018 fand im Wolhynischen Umsiedlermuseum in Linstow im Landkreis Rostock das 26. Museumsfest statt. Es zeigte sich, dass auch in diesem Jahr wieder neue Gäste angereist waren, die noch nie in Linstow waren und erst vor kurzem von der Existenz dieses Museums erfahren haben. Sie waren begeistert und ein Besucher aus Kiel trat sofort in den Verein ein. Es zeigte sich für alle, dass Linstow immer etwas Neues zu bieten hat.
Das diesjährige Fest wurde gefördert durch das Justizministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landkreis Güstrow und die Bundesinitiative „Demokratie leben“.

Die Eröffnungsveranstaltung mit Vortrag
„Erinnerungen einer Lehrerin“ am 7.9.2018

Am Freitagabend eröffnete der Leiter des Museums, Johannes Herbst, um 19 Uhr die Veranstaltung und begrüßte die Ehrengäste, u. a. den Bürgermeister Wilfried Baldermann, den Landtagsabgeordneten Torsten Renz, den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Dr. Martin Sprungala und Pastor Oliver Behre, Wolhynien-Obmann vom Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V.
Eröffnet wurde die Festveranstaltung traditionell mit dem Wolhynierlied, gesungen vom Chor der Linstower Mitglieder. In seiner Ansprache ging der Vorsitzende u. a. auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz mit stark rassistischem Gebaren ein und bekundete, dass sein Museum weit und breit das einzige sei, dass sich mit der Geschichte von Migration in allen Facetten befasst. Die Wolhyniendeutschen haben in einer knapp einhundertjährigen Geschichte die Ansiedlung als Gerufene, Benachteiligung, Bedrängung, Deportation, Rückkehr, Umsiedlung, Flucht und Vertreibung erleben müssen. Aus diesem Grunde hat der Vorstand des Heimatvereins Linstow e.V. das Motto „Auf dem Weg zu einem außerschulischen Bildungsstandort“ für das diesjährige Museumsfest ausgewählt.
Mit Bedauern musste Herr Herbst feststellen, dass die Bedeutung des Museums seitens der Politik stets unterstrichen wird, aber es mangelt an der finanziellen Ausstattung, so dass er sich inzwischen große Sorgen um die Zukunft des Museums macht, denn die seit nunmehr 26 Jahren ehrenamtlichen Mitglieder sind auch in die Jahre gekommen.
Aber die Arbeit wird und muss weitergehen. Für das nächste Jahr plant der Museumsverein gemeinsam mit O. Behre eine Fahrt nach Wolhynien in der Zeit vom 11.-18.6.2019
Die musikalische Einlage des heutigen Abends mit Stücken von Sergei Rachmaninoff (1873-1943) und Ludwig van Beethoven (1770-1827) boten Ida Linnea Stölting an der Geige und Lukas Grossmann am Klavier, von der Akademie für Tonkunst in Darmstadt.
Den Eröffnungsvortrag „Erinnerungen einer Lehrerin, die im Rahmen des Arbeitsdienstes im Zweiten Weltkrieg in der Region Mittelpolen als Lehrerin gearbeitet hat“ hielt Ministerialrat Wolfgang Schloh, Schwerin. Er betonte, dass er Johannes Herbst schon lange kennen würde und als dynamischen, energischen Bürgermeister von Linstow direkt nach der Wende kennengelernt habe. Sein Anliegen mit den Wolhyniendeutschen hat der stellvertretende Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern stets unterstützt, dass er selbst einen Bezug nach Wolhynien hat, erfuhr er erst im letzten Jahr, als der den Nachlass seines „Tantchens“ sichtete.
Ursula Dörken war Lehramtsstudentin im zweiten Semester, als sie für ein Vierteljahr nach Podwody im Kreis Lask versetzt wurde und hier deutsche Kinder unterrichten sollte. Es waren neben alteingesessenen Deutschen auch wolhyniendeutsche Umsiedler, die sie hier kennenlernte. Über ihre Tätigkeit in Podwody verfasste sie die Seminararbeit „Die Option der Wolhyniendeutschen und die Aufgaben des Lehrers im deutschen Osten“, die am 6.1.1942 an der Hanseatischen Hochschule für Lehrerbildung in Hamburg eingereicht wurde. Neben dem Einsatzort ist vor allem die zeitliche Nähe der Entstehung dieser Schrift von großer historischer Bedeutung. Bereits am folgenden Tag übergab Herr Schloh ihm eine Kopie der Seminararbeit.
Herr Schloh erhielt als Dank für seinen interessanten Vortrag das Buch „Die Deutschen in Wolhynien“. Das Fest hat ihm so gut gefallen, dass er am Sonntag sogar Mitglied des Museumsvereins wurde.
Nach dem Vortrag folgten die obligatorischen Stärkungen in Form von landesüblichen Schnittchen.

Das 26. Museumsfest (8.9.2018)

Nach dem „Jahrhundertsommer“ gab das Wetter noch ein schönes spätherbstliches Nachspiel, halt Kaiserwetter, oder wie man hier inzwischen sagt Linstower Museumswetter.
Morgens wurde noch eifrig vorbereitet, gearbeitet und Brot gebacken. Zwei Mitarbeiterinnen zeigten, wie man früher Wolle gesponnen hat und in einem Gatter befanden sich drei große Schafe der Gattung Jakobschafe, die bereits in der Bibel genannt werden.
Um 14 Uhr eröffnete der Vorsitzende Johannes Herbst das diesjährige Museumsfest und begrüßte die Ehrengäste, die er nach seiner Ansprache um ihr Grußwort bat. Den Auftakt machte Pastor Oliver Behre, Eisenberg/ Thüringen, vom Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V., gefolgt vom Bundessprecher Dr. Martin Sprungala, Dortmund, der betonte, wie wichtig das Museum als außerschulischer Bildungsort, der das Wissen um das Schicksal der Wolhyniendeutschen verbreitet, dem Bundesvorstand der LWW sei.
Es folgte das gemeinsame Kaffeetrinken mit musikalischen und künstlerischen Darbietungen. Wie schon bei früheren Festen zeigte die vierköpfige Jugendgruppe „Tanzmäuse“ einige Tänze. Alternierend spielten das Musikerduo EsoR, die russlanddeutschen Damen Darja Goldberg und Jana Heil ebenfalls von der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, unterstützt durch Ida Linnea Stölting einige Stücke.
Herr Herbst dankte den langjährigen Helfern Brigitte Schönfelder und Walter Voigt für ihre Mitarbeit und sie erhielten als Dankesgeschenk je eine Fayence mit dem Abbild des Museums.
Auch in diesem Jahr wurde eine Tombola veranstaltet, bei der man die Präsente örtlicher Unternehmen gewinnen konnte. Den Abschluss bildete der traditionelle Dreschwettbewerb mit alten Dreschflegeln, den in diesem Jahr eine ältere Dame gewann.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit boten Ida Linnea Stölting und Lukas Grossmann, unterstützt durch den Senior im Museumsteam, Ernst Reimann, noch ein abendliches Konzert für die letzten Gäste und die Mitarbeiter des Museums.

Der wolhynische Heimatgottesdienst mit Kranzniederlegung

Den diesjährigen Heimatgottesdienst hielt erneut Pastor Oliver Behre, der reichlich musikalisch durch den Männergesangverein Laage und das Duo EsoR unterstützt wurde.
Die Predigt für den 15. Sonntag nach Trinitatis stand unter dem Motto Sorgen, sich Sorgen machen, Sorgen haben: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petr 5, 7) Pastor Behre ging dabei auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz mit rechtsradikalen Demonstrationen ein.
Anschließend trafen sich die Teilnehmer am im Mai 2015 eingeweihten Gedenkstein wieder. An der heutigen Veranstaltung nahmen auch die mecklenburg-vorpommersche Justizministerin Katy Hoffmeister und der Europaabgeordnete Werner Kuhn teil. In seinem Gedenken erinnerte Herr Kuhn an das schwere Schicksal der Wolhyniendeutschen, deren Zeitzeugen z. T. noch anwesend waren. Dann legten Frau Hoffmeister und Herr Herbst den Kranz am Gedenkstein nieder.

Den Abschluss des Museumsfestes bildeten auch in diesem Jahr ein letztes gemeinsames Mahl und der Reisesegen durch Pastor Behre, ehe sich alle auf den Heimweg begaben.
Das nächste, das 27. Museumsfest, ist für den 6. bis 8.9.2019 anberaumt.

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