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Nachlese 2021


Bildungsreise 2021 der Mitglieder und Freunde des Wolhynier Umsiedlermuseums

Nach langer Coronapause freuten sich alle auf die zweitägige Kurzreise Ende September 2021 auf die Insel Rügen und nach Greifswald.

In Schaprode begrüßte uns Pastor Holz und lud uns in seine Kirche ein. Er hat Erfahrungsberichte von Flüchtlingen und Vertriebenen des zweiten Weltkrieges gesammelt, die auf der Insel ankamen.

Viele empfanden die Insel als „Mausefalle". Sie fühlten sich eingesperrt und zogen dann weiter in andere Teile Deutschlands, wie Sachsen, Thüringen oder Bayern. Manche blieben auf der Insel und wurden durch Heirat mit Einheimischen sesshaft. Dennoch haben die Menschen lange Zeit die Hoffnung nicht aufgegeben, wieder in ihre angestammte Heimat zurückkehren zu können. Alle berichten vom schweren Neuanfang und davon, dass sie nicht willkommen waren. Den Unterschied zwischen Alteingesessenen und Zugezogenen spürt man heute noch. Von den Einheimischen abgelehnt und verachtet, suchten sie trotzdem einen Neuanfang. Anschließend ging es weiter nach Prora. Alle kennen Prora als Erholungsort, der von Hitlerdeutschland für die Arbeiter erbaut werden sollte (Kraft durch Freude). Die Meisten denken, dass sich in Prora schon Menschen erholt haben. Aber Prora wurde nie fertig gestellt. Hitlerdeutschland ging schlicht und einfach das Geld aus. Es wurde für kriegswichtige Dinge gebraucht.

Am nächsten Tag besuchten wir das Pommersche Landesmuseum in Greifswald. Ein sehr beeindruckendes, neues Gebäude. Das Wort „Pommern" kommt aus dem Slawischen und bedeutet „am Meer“. Die Führung war außerordentlich interessant. Verschiedene Exponate zeichnen ein vielgestaltiges Bild der Entwicklung Pommerns seit den ersten Jägern und Sammlern. Mit einer außergewöhnlich spannenden Fundgeschichte glänzt der 2 kg schwere Goldring aus den Wirren der Völkerwanderung. Einen beeindruckenden Höhepunkt bildet der einzigartige 30 m² große Croy-Teppich, ein Zeugnis der hohen Kultur am Hofe der Greifen, des pommerschen Herrschergeschlechtes. „Pommernland

ist abgebrannt" – der Dreißigjährige Krieg wütete fürchterlich. Danach regierten die Schweden. In der Preußenzeit wurden die Fischerdörfer zu mondänen Badeorten. Das 20. Jahrhundert mit seinen Kriegen und Systembrüchen und dem gewaltigen Bevölkerungsaustausch bedeutete für die Region die vielleicht größte Zäsur in der Geschichte.

Am Nachmittag des zweiten Tages war noch ein Stadtrundgang durch Greifswald vorgesehen. Hier wurde den Teilnehmern der Bildungsreise viel von der Universität erzählt, die im Mittelalter gegründet wurde. Bis heute ist die Universität Greifswald eine der führenden Universitäten Europas. Greifswald war im Mittelalter eine reiche Hansestadt. Das repräsentiert der Marktplatz. Die Greifswalder trieben Handel vom Ostseeraum bis nach Amerika. Das meiste Geld allerdings wurde mit dem Hering, dem Brotfisch verdient. Es gab so viel Hering, dass man die gesamte Bevölkerung Pommerns dauerhaft damit ernähren konnte.

Alle Reisenden bedanken sich bei den Ideengebern, den Organisatoren und der Landesbeauftragten für die Aufarbeitung der SED-Diktatur als Sponsorin dieser Bildungsreise. Wichtig ist, dass sich Menschen informieren und miteinander ins Gespräch kommen.

Brigitte Slottke

[Translate to English:] Marktplatz in Greifswald
[Translate to English:] Fischmarkt in Greifswald
[Translate to English:] Führung in Prora
[Translate to English:] St. Johanneskirche in Schaprode

Nachlese 2020


Trotz Corona-Pandemie und den vielen damit verbundenen Unwägbarkeiten konnte am Sonntag, den 06.09.2020 pünktlich um 10 Uhr das 28. Museumsfest auf dem Gelände des Wolhynier-Umsiedlermuseums beginnen. In seiner Begrüßungsrede erinnerte Johannes Herbst an die Gründungszeit des Museums. Vor nunmehr 30 Jahren entstand die Idee das erste, im Jahr 1947, von Wolhyniendeutschen in Linstow erbaute Haus vor dem Abriss zu retten und dort eine Gedenk- und Erinnerungsstätte zu Flucht und Vertreibung einzurichten.

Anfangs war es nicht mehr als eine Heimatstube mit Backofen und Unterstand für landwirtschaftliche Geräte. Im Laufe der Jahre entwickelte es sich dank breiter politischer Unterstützung – allen voran Torsten Renz und Eckhardt Rehberg, beide CDU – zu einem Bildungs- und Kulturzentrum für Migrationsgeschichte des 19. und 20. Jahrhunderts. Seit der Errichtung der Bildungs- und Museumsscheune werden zusätzlich zum Museumsbetrieb auch vielfältige sozio-kulturelle Veranstaltungen durchgeführt.

Ein besonderer Dank wurde der Gemeinde Dobbin-Linstow und Bürgermeister Wilfried Baldermann ausgesprochen, die sich seit vielen Jahren für den Ausbau und den Erhalt des Museumsgeländes einsetzen. Mit ihrer Unterstützung konnten in diesem Jahr die Dächer des Museums und der Scheune erneuert und Teile der Umzäunung ersetzt werden. Ebenso wurde den Vereinsmitgliedern für die Arbeitseinsätze zur Instandhaltung des Geländes gedankt.

Der anschließende Gottesdienst wurde vom Sprengelbischof Tilman Jeremias, der Flüchtlingspastorin für Mecklenburg, Anja Fischer, und Pastor Oliver Behre aus Thüringen gehalten und stand ganz im Zeichen von Flucht und Vertreibung. Die Fürbitten wurden von zwei Zeitzeugen der Zwangsumsiedlungen gesprochen, Johann Sonnenberg, in Wolhynien geboren und Gertrud Horn, im sogenannten Warthegau geboren. Ihre Fürbitten galten auch einer demokratischen Lösung in Weißrussland und dem friedlichen Miteinander zwischen der Ukraine und Russland. Neben den genannten Personen konnten wir den Dezernenten des Landkreises Rostock, Romuald Bittl, den CDU-Landtagsabgeordneten Torsten Renz und den Vorsitzenden des Vereins Partnerschaft zur Ukraine e.V. mit Sitz in Zwickau, Karl Ernst Müller, begrüßen sowie mehr als 90 Gäste, Interessierte, Freunde und Sponsoren, die den Worten der Pastoren und Laien aufmerksam folgten.

Nach einer kurzen Pause haben Pastorin Anja Fischer und Pastor Oliver Behre eine kleine Andacht im Garten des Gedenkens für die Opfer von Flucht und Vertreibung gehalten. Hilde Jöllenbeck und Ernst Reimann haben dann zu den Klängen der wolhynischen Melodie „Wolyn Moja“ einen Kranz am Gedenkstein niedergelegt. Die festliche Stimmung während des Gottesdienstes und der Kranzniederlegung war besonders auch dem Duo Emma Fischer (Querflöte) und Stefan Fischer (Geige) zu verdanken.

Das Mittagsmahl mit wolhynischem Borschtsch, Piroggen, Zwiebelschmalz, frischem Brot aus dem Steinofen und anderen Leckereien bereiteten die ausgezeichneten Köchinnen des Heimatvereins zu. Danach wurde Rosemarie Voigt unter großen Beifall für ihren langjährigen Einsatz im Heimatverein mit dankenden Worten durch den Vorsitzenden, Johannes Herbst, geehrt und ausgezeichnet. 

In der Mittagspause wurde der Sprengelbischof dann in einer Führung auf eine Zeitreise durch die bewegte Geschichte der Wolhyniendeutschen mitgenommen. Er zeigte sich von den Ausstellungen in beiden Häusern sehr beeindruckt, da sie eindrücklich die Herausforderungen zeigen, die mit Migrationsbewegungen verbunden sind. Dann kamen die Ehrengäste zu Wort. Romuald Bittl bezeugte Stolz und Freude des Landkreises über diese bundesweit einmalige Einrichtung sowie ihre Brückenfunktion zu den umliegenden Landkreisen. Karl-Ernst Müller aus Sachsen war sichtlich beeindruckt von der Anlage des Museums und versprach in regem Kontakt zu bleiben. Zwischendurch wurden Kaffee und Kuchen gereicht, denn auch zuhören macht hungrig.

Den kulturellen Teil eröffneten wie in jedem Jahr Tänzerinnen der Ballettschule Rostock, deren Lehrerin eine Nachfahrin wolhynischer Großeltern ist. Den Abschluss bildet der traditionelle Dreschflegelwettbewerb, wo Jung und Alt ihre Fertigkeiten im Umgang mit dem Flegel unter Beweis stellen konnten. Die Jury wurde angeführt von Ernst Reimann, einem der ältesten in Linstow lebenden Wolhynier. Prämiert wurden die Besten mit Preisen, die vom Van der Valk Resort gesponsert worden sind. Unter den Klängen der Wolhynischen Melodie, vorgetragen von Ernst Reimann mit dem Akkordeon, ging das 28.Museumsfest am späten Nachmittag zu Ende. 

Vielen herzlichen Dank allen fleißigen Helfern, die zur Vorbereitung und Durchführung des Festes unter besonderen Bedingungen beigetragen haben.

Johannes Herbst und Michael Thoß, Heimatverein Linstow e.V.


Nachlese 2019


Freitag, 06.09.2019 - Ausstellungseröffnung

Unter dem Motto „30 Jahre nach der Diktatur der Proletariats - Erinnerungen“ fand am Freitag, dem 06.09.2019 eine Ausstellung über 40 Jahre DDR ihre Eröffnung. Viele Mitglieder haben wichtige Zeitzeugnisse wie Schulbücher, das „Spiel des Jahres“ aus den 80er Jahren, Bilder vom Besuch der Bundeskanzler Willy Brandt 1970 in Erfurt (bei dem auch eines unserer Mitglieder dabei war) und Helmut Schmidt, bei dem kein Mitglied unseres Vereins teilnehmen durfte. Abgesehen davon, dass der Verein erst nach der Wende gegründet werden konnte, durften dort nur Stasimitarbeiter auftreten. Bundeskanzler Helmut Schmidt hat sich gewundert, dass auf dem Weihnachtsmarkt in Güstrow fast keine Frauen und keine Kinder zu sehen waren. Auch der Arbeiteraufstand 1953, der Mauerbau 1961 und die Grenzöffnung in Ungarn im August 1989 sind dokumentiert, natürlich einige Originalplakate aus dem Herbst 1989, ein original Westpaket als volkswirtschaftliche Größe und selbstverständlich die Eroberung des ehemaligen Honeckerobjektes in Drewitz, welche vom ehemaligen Pastor Havemann aus Krakow am See mit organisiert wurde und an der auch einige Mitglieder unseres Vereins teilgenommen haben. Ein Aufnäher „Schwerter zu Pflugscharen“ einer christlichen Oppositionsgruppe im Anfang der 80er Jahre, originale Mauerbruchstücke mit Beweisfoto und vieles mehr ist zu sehen. Die Ausstellung kann jeden Mittwoch von 14.00 bis 16.30 Uhr angeschaut werden.

Ca. 60 Besucher, unter ihnen der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung M/V in Schwerin, Herr Jochen Schmidt, lauschten der Diskussionsrunde, die zwei Moderatoren mit fünf „DDR-erfahrenen“ Bürgern über diese Zeit führten. Eine Frau im original Ost-Küchenkittel las aus ihrem Tagebuch die Gedanken vom 4.Oktober 1989 vor, welche uns alle damals bewegten. Ein Polizist, eine Kindergärtnerin, eine Verkaufsstellenleiterin und ein Wolhynier vervollständigten die Gesprächsrunde, die dann später offen geführt wurde und eine rege Beteiligung erfuhr. Man muss wissen wo man herkommt, sonst weiß man nicht wo man hin will. Gäste aus Schweden, aus Kiel, aus Süddeutschland wurden mit einbezogen, musikalisch umrahmt wurde die Veranstaltung von Musikern der Musikhochschule Darmstadt. Ganz herzlichen Dank dafür sowie für die rege Beteiligung.

Samstag, 07.09.2019 - Museumsfest auf dem Museumshof 

Pünktlich um 14.00 Uhr begann die Ansprache des Vereinsvorsitzenden, er machte als erstes auf das gestrige Gespräch und die Ausstellung zur DDR Geschichte auf dem Lande aufmerksam und bedankte sich noch mal für die rege Teilnahme. Das heutige Thema war der Kriegsbeginn am 1.9.1939, also vor 80 Jahren, und der damit zusammenhängenden Umsiedlung von ca. 65 000 Wolhyniendeutschen „Heim ins Reich“, in die Provinz Posen, dem sogenannten Warthegau. Stalin, der mit Hitler am 23.8. einen Nichtangriffspakt beschloss überfällt am 17.9. die zweite Republik Polen vom Osten her. Das Zusatzprotokoll im Oktober 39 zwischen Ribbentrop und Molotow unterzeichnet, sah die Umsiedlung der Deutschen aus der sowjetischen Interessensphäre im Dezember 39 und Januar 1940 vor.

In kilometerlangen Wagentrecks fuhren die Landwirte und Handwerker mit Ihren Söhnen Richtung Westen. Frauen und Kleinkinder durften mit der Reichsbahn in Übergangslager im sächsischen Raum (Pirna und Limbach - Oberfrohna sind nachweislich genannt) fahren und wurden später dort in die neuen Höfe der Polen, die von der SS freigeräumt wurden, abgeholt. Die polnischen Familien „durften“ dann als Mägde und Knechte auf den dann deutschen Höfen arbeiten, sollten aber keinen weiteren Kontakt zur Besatzungsmacht haben, das wurde von der SS kontrolliert. Dies ist nur ein Teil der wolhynischen Geschichte deutscher Siedler, sie darf sich nicht wiederholen!!! „Wehret den Anfängen!“

Nach den Grußworten des Bürgermeisters, Herrn Baldermann, des ersten Dezernenten des Landkreises, Herrn Romuald Bittl, des Pastors aus dem Hilfskomitee für die Deutschen in Polen Herrn Oliver Behre und unserem CDU Landtagsabgeordneten, Herrn Torsten Renz, die durchweg die Unterstützung des Vereins zusagten, ging es weiter mit Blasmusik der Schwenziner Kapelle, anschließend ein Quiz über die DDR Geschichte, durchgeführt und vorbereitet von André Sonnenberg mit wertvollen Buchpreisen über die deutsche Geschichte, es folgten Musik und Tanz unserer Darmstädter Musikerinnen und Rostocker Tanzmädchen. Selbstverständlich durfte auch das Gespräch am Gartenzaun nicht fehlen, auf einmal war Ruhe im Zelt. Emil, alias Ernst Reimann und Hilde Jöllenbeck, alias Tilde, sprachen in wolhynischer Mundart die Probleme der Zeit, des Dorfes und der letzten Ukrainereise an, angefangen von Tierzucht bis zum neuen Bürgermeister der wohl der alte geblieben ist, ob er wohl so gut war oder sich kein neuer gefunden hat...? Der Wolhynische Text stammt wie immer von Brigitte Schönfelder.

Zwischendurch konnte sich jeder am Stand des Naturparks „NSH“ über laufende Projekte informieren. Danach gab es eine Tombola mit schönen Preisen des Van der Valk Resorts Linstow, dem EDEKA Markt Bohnhorst in Krakow am See, der Nachsorgeeinrichtung in Linstow und vieler weiterer Spender. Vielen Dank dafür. Bevor um 18.30 Uhr ein Bildvortrag der letzten Ukrainereise, vorgetragen von Frau Anja Fischer, der Flüchtlingspastorin in M/V startete, konnte sich jeder noch mal richtig sattessen. Lecker Borschtsch, Piroggen, Schwein am Spieß und manch anderes war im Angebot. Danach wurde noch bis 22.00 Uhr musiziert und manche Gespräche geführt.

Herzlichen Dank an alle Helfer, die auch dieses Fest zu einem Höhepunkt nicht nur des Vereinslebens werden ließen. Wir hoffen auch hiermit ein wenig Verständnis für die Sorgen und Nöte der Flüchtlinge weltweit geweckt zu haben und bitten um Solidarität, ob Ukraine, Syrien oder Afghanistan, es sind Menschen.

Johannes Herbst, Vereinsvorsitzender

Sonntag, 08.09.2019 - Der Ausklang des Museumsfestes

Am Sonntag wurde um 10 Uhr Gottesdienst gefeiert in der Kiether Kirche in Linstow, ein „Heimatgottesdienst“ - wie er von den Linstowern traditionell genannt wird. Begleitet vom Männerchor aus Laage, haben Oliver Behre, Pfarrer in der Kirche in Mitteldeutschland, und Anja Fischer, Flüchtlingspastorin im Kirchenkreis Mecklenburg, den Gottesdienst gemeinsam gehalten. Der Wochenspruch aus dem 42. Kapitel des Propheten Jesaja stand im Zentrum der Predigt, in der ein weiter Bogen geschlagen wurde von den verbannten Israeliten an den Flüssen Babylons im 6. Jahrhundert vor Christus über die verbannten und geflohenen Deutschen aus Wolhynien in Sibirien, in Ostpreußen, im Warthegau und schließlich in Mecklenburg im Ersten und im Zweiten Weltkrieg bis hin zu den heutigen Flüchtlingen, die sich mitten unter uns in den Gemeinschaftsunterkünften in Mecklenburg-Vorpommern befinden. Die Gefühle der Geflüchteten, die Angst, die Verzweiflung, die Sehnsucht, aber auch die Hoffnung, sind – über Jahrtausende, über Länder und Kontinente hinweg – die gleichen geblieben. Diesen Menschen gilt der Zuspruch des Propheten: Das geknickte Rohr wird er nicht zerbrechen, den glimmenden Docht nicht auslöschen - und uns Einheimischen ist er zugleich ein Auftrag: Nicht richten, sondern aufrichten, nicht auslöschen, sondern Licht und Hoffnung schenken, das können wir hier und heute in unseren Dörfern, in unserem Alltag, auch tun! 
Nach dem Gottesdienst hielt unsere Justizministerin Katy Hoffmeister die Rede zum Gedenken an den Beginn des Zweiten Weltkrieges. Selbst Tochter eines im Memelland geborenen Vaters, erzählte sie von dem alten Mühlstein, der als einziges Überbleibsel der Vergangenheit in dem litauischen Ort noch heute von einer langen gemeinsamen Geschichte erzählt und auch weiterhin so zum Frieden mahnt. Gedenken und Gebet begleiteten die anschließende Kranzniederlegung. Nach dem Reisesegen konnten wir beim gemeinsamen Mittagessen, begleitet von den sehnsuchtsvollen und bewegenden Akkordeonklängen der beiden russischen Musikerinnen, noch einmal unsere neue Wolhynienhymne singen, die von Hilde Jöllenbeck aus dem Ukrainischen für uns übersetzt, von der Schönheit und der Gastfreundschaft des Landes und seiner Menschen erzählt. 

Pastorin Anja Fischer


Auch in diesem Jahr war es dank der Unterstützung der Landeszentrale für Politische Bildung und des Justizministeriums Mecklenburg-Vorpommern wieder möglich, dass der Wolhynische Heimatverein Linstow e.V. am 28.09. und 29.09.2019 eine Bildungsreise zu Orten politischen Unrechts, Flucht und Vertreibung durchführen konnte. Es war die 20. Bildungsreise und sie nahm ihren Anfang im Schweriner Schloss.

Dort empfing uns der Landtagsabgeordnete Torsten Renz (CDU). Im neuen Plenarsaal berichtete er über die parlamentarische Arbeit. Dabei spielt leider zunehmend auch die Auseinandersetzung mit nationalistischen und geschichtsvergessenen Ansichten von Parlamentariern am rechten politischen Rand eine Rolle. Für viel Freude und Erstaunen hat die Schlossführung von Frau Glania gesorgt, die uns auf verborgenen Wegen - immerhin über 600 Stufen - zu den historisch und baulich schönsten und interessantesten Plätzen des Hauses führte. Beiden sei für ihr Engagement an diesem Samstag herzlich gedankt.

Weiter ging es nach Wöbbelin zur Theodor Körner Gedenkstätte. Hier wurde noch zu Beginn des Jahres 1945 ein KZ Außenlager des Konzentrationslagers Neuengamme eingerichtet. Die Leiterin, Frau Ramsenthaler, führte uns vor Ort eindrücklich vor Augen, wie die Schergen des NS Regimes ca. 6000 Menschen aus 25 Nationen dort zusammentrieben. Etwa 1000 ihnen starben an Hunger und Entkräftung, die sanitären Verhältnisse waren unvorstellbar. Durch zahlreiche Dokumente, Filmmaterial und Zeitzeugenberichte wurden uns die menschenverachtenden Zustände deutlich gemacht. Zahlreiche Massengräber erinnern an diese Zeit. Umso bedrückender war die Erkenntnis, dass das Lager auch nach 1945 durch die Sowjets als Internierungslager für Evakuierte, Flüchtlinge und Vertriebene weitergeführt wurde. Auch Großbauern und Grundbesitzer, die sich ihrer Enteignung widersetzt hatten, wurden zeitweise hier interniert. Es ist auch bekannt, dass Vertriebene aus Wolhynien nach Wöbbelin gekommen sind.

Unter dem Eindruck der Führung und der Erklärungen von Frau Ramsenthaler führte uns unsere Exkursion am späten Nachmittag des ersten Tages wieder nach Schwerin. In der Jüdischen Gemeinde empfing uns Rabbiner Kadnikov sehr herzlich. Er hatte ausnahmsweise trotz des jüdischen Feiertages und des bevorstehenden jüdischen Neujahrsfestes für uns Zeit gefunden, um uns etwas über die Geschichte der Juden in Mecklenburg zu erzählen. Dazu versammelten wir uns in der 2008 neu errichteten Synagoge im Hof des jüdischen Gemeindezentrums. Das Schicksal der Juden war auch in Mecklenburg von Vertreibung, Unterdrückung und Diskriminierung bis Mitte des 19. Jahrhunderts geprägt. Einer kurze Zeit der Anerkennung und Gleichberechtigung folgte unter dem NS-Regime die völlige Vernichtung. Auch die Synagoge wurde vernichtet, ihre Fundamentreste sind im Eingangsbereich noch sichtbar.

Mit der friedlichen Revolution und der Wiedervereinigung wurde es möglich, dass jüdisch stämmige Bürger der ehemaligen Sowjetunion in Deutschland eine neue Heimat fanden. Über die Jahre kamen etwa 2.500 von ihnen nach Rostock, Schwerin und Wismar und belebten das jüdische Leben und die jüdischen Gemeinden neu. Rabbiner Kadnikov gewährte uns einen Einblick in seine vielfältige Arbeit. Dazu öffnete er auch den Toraschrank und erklärte uns an Hand einer 200 Jahre alten Gebetsrolle den jüdischen Jahreskreis. Die Texte der Tora sind vergleichbar mit den Texten des christlichen Alten Testaments der Bibel. Nach angeregten Gesprächen über das Gemeindeleben und jüdische Lebensvorschriften und Bräuche fuhren wir, angefüllt mit den unterschiedlichsten Eindrücken und Emotionen, die uns dieser Tag gebracht hatte, zu unserer Unterkunft in Schwerin-Mueß.

Am Sonntag führte die Exkursion bei regnerischem Wetter und wenige Tage vor dem 30. Gedenktag an die wieder gewonnene Deutsche Einheit zur Gedenkstätte GRENZHUS in Schlagsdorf. Dr. Andreas Wagner und Herr Martin Klähn vom Verein Politische Memoriale e.V. Mecklenburg-Vorpommern führten uns durch die Ausstellung und das Außengelände. Dort sind die DDR - Grenzsperranlagen als Originalnachbau zu sehen. Wir bekamen einen Eindruck von dem DDR – Grenzregime an der innerdeutschen Grenze und erfuhren bewegende Geschichten von Flucht und Vertreibung unter der Teilung Deutschlands. Besonders hat uns die Familiengeschichte eines Vereinsmitgliedes berührt, deren Familie aus dem Grenzstreifen innerhalb von 24 Stunden entschädigungslos zwangsausgesiedelt wurde. Heute zählt der Bereich des ehemaligen Grenzstreifens zum besonders geschützten Biosphärenreservat Schaalsee. Im GRENZHUS konnten wir bei einem gemütlichen Mittagessen unsere Eindrücke austauschen. Zum Abschluss nach zwei ereignisreichen Tagen fanden wir Stille und Einkehr im ältesten Gebäude von Schlagsdorf - der über 800 Jahre alten Kirche. Allen, die uns diese bewegenden und ereignisreichen Tage ermöglicht haben gilt unser herzlicher Dank.

Ulrich Hojczyk


vom 19. Juni bis zum 4. September 2019

Mit Kinderbetreuung, Führungen im Museum und anschließend bei Kaffee und Kuchen Diskussionen über Migrations in Vergangenheit und Gegenwart. Der Familienmuseumstag wird gefördert durch das Justizministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landkreis Rostock und die Bundesinitiative „Demokratie leben".


Nachlese 2018


Vom 7. bis 09.09.2018 fand im Wolhynischen Umsiedlermuseum in Linstow im Landkreis Rostock das 26. Museumsfest statt. Es zeigte sich, dass auch in diesem Jahr wieder neue Gäste angereist waren, die noch nie in Linstow waren und erst vor kurzem von der Existenz dieses Museums erfahren haben. Sie waren begeistert und ein Besucher aus Kiel trat sofort in den Verein ein. Es zeigte sich für alle, dass Linstow immer etwas Neues zu bieten hat. Das diesjährige Fest wurde gefördert durch das Justizministerium des Landes Mecklenburg-Vorpommern, der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, der Ehrenamtsstiftung Mecklenburg-Vorpommern, dem Landkreis Güstrow und die Bundesinitiative „Demokratie leben“.

Die Eröffnungsveranstaltung mit Vortrag „Erinnerungen einer Lehrerin“ am 7.9.2018

Am Freitagabend eröffnete der Leiter des Museums, Johannes Herbst, um 19 Uhr die Veranstaltung und begrüßte die Ehrengäste, u. a. den Bürgermeister Wilfried Baldermann, den Landtagsabgeordneten Torsten Renz, den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Dr. Martin Sprungala und Pastor Oliver Behre, Wolhynien-Obmann vom Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V. Eröffnet wurde die Festveranstaltung traditionell mit dem Wolhynierlied, gesungen vom Chor der Linstower Mitglieder. In seiner Ansprache ging der Vorsitzende u. a. auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz mit stark rassistischem Gebaren ein und bekundete, dass sein Museum weit und breit das einzige sei, dass sich mit der Geschichte von Migration in allen Facetten befasst. Die Wolhyniendeutschen haben in einer knapp einhundertjährigen Geschichte die Ansiedlung als Gerufene, Benachteiligung, Bedrängung, Deportation, Rückkehr, Umsiedlung, Flucht und Vertreibung erleben müssen. Aus diesem Grunde hat der Vorstand des Heimatvereins Linstow e.V. das Motto „Auf dem Weg zu einem außerschulischen Bildungsstandort“ für das diesjährige Museumsfest ausgewählt.

Mit Bedauern musste Herr Herbst feststellen, dass die Bedeutung des Museums seitens der Politik stets unterstrichen wird, aber es mangelt an der finanziellen Ausstattung, so dass er sich inzwischen große Sorgen um die Zukunft des Museums macht, denn die seit nunmehr 26 Jahren ehrenamtlichen Mitglieder sind auch in die Jahre gekommen. Aber die Arbeit wird und muss weitergehen. Für das nächste Jahr plant der Museumsverein gemeinsam mit O. Behre eine Fahrt nach Wolhynien in der Zeit vom 11.-18.6.2019
Die musikalische Einlage des heutigen Abends mit Stücken von Sergei Rachmaninoff (1873-1943) und Ludwig van Beethoven (1770-1827) boten Ida Linnea Stölting an der Geige und Lukas Grossmann am Klavier, von der Akademie für Tonkunst in Darmstadt.

Den Eröffnungsvortrag „Erinnerungen einer Lehrerin, die im Rahmen des Arbeitsdienstes im Zweiten Weltkrieg in der Region Mittelpolen als Lehrerin gearbeitet hat“ hielt Ministerialrat Wolfgang Schloh, Schwerin. Er betonte, dass er Johannes Herbst schon lange kennen würde und als dynamischen, energischen Bürgermeister von Linstow direkt nach der Wende kennengelernt habe. Sein Anliegen mit den Wolhyniendeutschen hat der stellvertretende Bürgerbeauftragte des Landes Mecklenburg-Vorpommern stets unterstützt, dass er selbst einen Bezug nach Wolhynien hat, erfuhr er erst im letzten Jahr, als der den Nachlass seines „Tantchens“ sichtete.

Ursula Dörken war Lehramtsstudentin im zweiten Semester, als sie für ein Vierteljahr nach Podwody im Kreis Lask versetzt wurde und hier deutsche Kinder unterrichten sollte. Es waren neben alteingesessenen Deutschen auch wolhyniendeutsche Umsiedler, die sie hier kennenlernte. Über ihre Tätigkeit in Podwody verfasste sie die Seminararbeit „Die Option der Wolhyniendeutschen und die Aufgaben des Lehrers im deutschen Osten“, die am 6.1.1942 an der Hanseatischen Hochschule für Lehrerbildung in Hamburg eingereicht wurde. Neben dem Einsatzort ist vor allem die zeitliche Nähe der Entstehung dieser Schrift von großer historischer Bedeutung. Bereits am folgenden Tag übergab Herr Schloh ihm eine Kopie der Seminararbeit.

Herr Schloh erhielt als Dank für seinen interessanten Vortrag das Buch „Die Deutschen in Wolhynien“. Das Fest hat ihm so gut gefallen, dass er am Sonntag sogar Mitglied des Museumsvereins wurde. Nach dem Vortrag folgten die obligatorischen Stärkungen in Form von landesüblichen Schnittchen.

Das 26. Museumsfest am 08.09.2018

Nach dem „Jahrhundertsommer“ gab das Wetter noch ein schönes spätherbstliches Nachspiel, halt Kaiserwetter, oder wie man hier inzwischen sagt Linstower Museumswetter. Morgens wurde noch eifrig vorbereitet, gearbeitet und Brot gebacken. Zwei Mitarbeiterinnen zeigten, wie man früher Wolle gesponnen hat und in einem Gatter befanden sich drei große Schafe der Gattung Jakobschafe, die bereits in der Bibel genannt werden. Um 14 Uhr eröffnete der Vorsitzende Johannes Herbst das diesjährige Museumsfest und begrüßte die Ehrengäste, die er nach seiner Ansprache um ihr Grußwort bat. Den Auftakt machte Pastor Oliver Behre, Eisenberg/ Thüringen, vom Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V., gefolgt vom Bundessprecher Dr. Martin Sprungala, Dortmund, der betonte, wie wichtig das Museum als außerschulischer Bildungsort, der das Wissen um das Schicksal der Wolhyniendeutschen verbreitet, dem Bundesvorstand der LWW sei

Es folgte das gemeinsame Kaffeetrinken mit musikalischen und künstlerischen Darbietungen. Wie schon bei früheren Festen zeigte die vierköpfige Jugendgruppe „Tanzmäuse“ einige Tänze. Alternierend spielten das Musikerduo EsoR, die russlanddeutschen Damen Darja Goldberg und Jana Heil ebenfalls von der Akademie für Tonkunst in Darmstadt, unterstützt durch Ida Linnea Stölting einige Stücke. Herr Herbst dankte den langjährigen Helfern Brigitte Schönfelder und Walter Voigt für ihre Mitarbeit und sie erhielten als Dankesgeschenk je eine Fayence mit dem Abbild des Museums.

Auch in diesem Jahr wurde eine Tombola veranstaltet, bei der man die Präsente örtlicher Unternehmen gewinnen konnte. Den Abschluss bildete der traditionelle Dreschwettbewerb mit alten Dreschflegeln, den in diesem Jahr eine ältere Dame gewann.
Bis zum Einbruch der Dunkelheit boten Ida Linnea Stölting und Lukas Grossmann, unterstützt durch den Senior im Museumsteam, Ernst Reimann, noch ein abendliches Konzert für die letzten Gäste und die Mitarbeiter des Museums.

Der wolhynische Heimatgottesdienst mit Kranzniederlegung

Den diesjährigen Heimatgottesdienst hielt erneut Pastor Oliver Behre, der reichlich musikalisch durch den Männergesangverein Laage und das Duo EsoR unterstützt wurde. Die Predigt für den 15. Sonntag nach Trinitatis stand unter dem Motto Sorgen, sich Sorgen machen, Sorgen haben: „Alle eure Sorge werft auf ihn; denn er sorgt für euch.“ (1. Petr 5, 7) Pastor Behre ging dabei auf die aktuellen Ereignisse in Chemnitz mit rechtsradikalen Demonstrationen ein. Anschließend trafen sich die Teilnehmer am im Mai 2015 eingeweihten Gedenkstein wieder. An der heutigen Veranstaltung nahmen auch die mecklenburg-vorpommersche Justizministerin Katy Hoffmeister und der Europaabgeordnete Werner Kuhn teil. In seinem Gedenken erinnerte Herr Kuhn an das schwere Schicksal der Wolhyniendeutschen, deren Zeitzeugen z. T. noch anwesend waren. Dann legten Frau Hoffmeister und Herr Herbst den Kranz am Gedenkstein nieder.

Den Abschluss des Museumsfestes bildeten auch in diesem Jahr ein letztes gemeinsames Mahl und der Reisesegen durch Pastor Behre, ehe sich alle auf den Heimweg begaben. Das nächste, das 27. Museumsfest, ist für den 6. bis 8.9.2019 anberaumt.


Nachlese 2017


Vom 1. bis 3.9.2017 fand in Linstow im Landkreis Rostock das 25. Museumsfest des wolhynischen Heimatvereins Linstow statt. Anläßlich dieses Festes war der geschäftsführende Bundesvorstand der Landsmannschaft Weichsel-Warthe bereits am 31.8.2017 angereist und hatte am folgenden Tag bereits Gespräche und Beratungen geführt.

Die Eröffnung des neu gestalteten Museums

Am Freitagabend (1.9.2017) eröffnete der Leiter des Museums, Johannes Herbst, um 18 Uhr die Veranstaltung und begrüßte die zahlreich erschienenen Gäste. Er stellte u. a. die Vertreter der LWW, Dr. Martin Sprungala, Dr. Ursula Mechler und Dr. Lothar Jakobi als auch den Heimatkreisausschußvorsitzenden und stellvertretenden Vorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Walter Manz vor. Ebenfalls aus dem LWW-Bereich waren Pastor Oliver Behre, stv. Vorsitzender des Hilfskomitees der ev.-luth. Deutschen, und Jens Ryl, Schatzmeister der Stiftung Kulturwerk Wartheland, zudem stv. Vorsitzender des Vereins Bugolendry e.V. anwesend. Ebenfalls gut vertreten war der Historische Verein Wolhynien u. a. durch die Vorstandsmitarbeiter Mechthild Walsdorf und Manfred Klatt.

Traditionell sangen die Mitglieder des Heimatvereins Linstow zur Eröffnung das Wolhynier-Lied. Das Museum ist in den letzten Monaten dank höherer Zuwendungen vom BKM umstrukturiert worden. Die konsequente Neugestaltung war immer das Ziel des Vereins. Angesichts der Kürze der Zeit war es schwierig und zeitraubend für den Wissenschaftler, die Gestalter und die Handwerker und die ehrenamtlich tätigen Vereinsmitglieder, diese Arbeit zu bewerkstelligen. Für die Neugestaltung hat J. Herbst den renommierten, freiberuflichen Schweriner Museumsberater Dr. Wolf Karge gewinnen können. Dr. Karge hat Geschichte an der Humboldt-Universität zu Berlin und Archivwesens in Potsdam studiert. Von 1978 bis 1991 war er am Kulturhistorischen Museum Rostock in tätig (zuletzt als Direktor). Seither arbeitete er als freier Publizist, Geschäftsführer im Technischen Landesmuseum Mecklenburg-Vorpommern in Schwerin/Wismar, war von 1990 bis 2008 Vorsitzender des Museumsverbandes in Mecklenburg-Vorpommern. Zudem führte er Lehraufträge an den Universitäten Rostock und Lüneburg aus.

Dr. Karge stellte seine Arbeit am Museum Linstow vor und bekundete auch seine Angst vor den Reaktionen des Publikums, da er die Räumlichkeiten erheblich umorganisiert hat. Aber angesichts der Kürze der Zeit war nur eine konsequente Neukonzeption möglich. Das zweite Grußwort des heutigen Tages hielt der Referent für Beratung und Information der Stiftung für Ehrenamt und bürgerschaftliches Engagement in Mecklenburg-Vorpommern Franz-Martin Schäfer. Er betonte den Wert des Linstower Museums und war über die gute Zusammenarbeit mit dem Vorstand begeistert und kündigte auch künftige weitere gemeinsame Projekte und Förderungen des Museums an.

Ingrid Wagner trug eine imaginäre Rede des Jubiläumshauses vor, wie es seine Wandlung vom Wohnhaus zum Museum miterlebt hat. Autorin war die aus gesundheitlichen Gründen nicht anwesende Nachkommin der ersten Bewohner der Familie Altmann.
Im Anschluß an die Grußworte folgte die feierlich Eröffnung des neuen Museums durch J. Herbst, Dr. Karge und den Bürgermeister W. Baldermann. Dr. Karge führte persönlich durch die neu gestalteten Räume und erläuterte seine Ideen. Seine Befürchtungen vor der Kritik der Besucher waren unberechtigt. Zwar hat das Haus von 1947, dessen 70. Geburtstag man zugleich feierte, vom musealen Wohnhaus zu einem Museum gewandelt und damit einiges an seiner Authentizität verloren. Aber der Gewinn war eindeutig, denn erst jetzt ist es ein Museum und nicht mehr eine in vielen Bereichen überladene Heimatstube, in die man alle erhaltenen Exponate hineingepackt hat. Es war verständlich, warum das Schlafzimmer der Großmutter total umgewandelt werden mußte, denn das Strohbett hier, so beeindruckend bedrückend seine Urausstattung auch war, so erdrückte es doch den Raum und machte seine Passage schwierig.

Ebenso bedarf es einer Neugestaltung des schulischen Ensembles im oberen Stockwerk, das angesichts der steilen Treppe für unbegleitete Besucher nicht geeignet ist. Dr. Sprungala tauschte sich noch mit dem Neugestalter aus und gratulierte ihm zu der gelungenen Umgestaltung. An diesem Abend trafen sich auch noch die LWW-Teilnehmer u. a. Mitreisende mit den angereisten Ukrainern zu einem geselligen Beisammensein.

Das 25. Museumsfest am 02.09.2017

War es am Vormittag noch warm und sonnig, so beeinträchtigte in diesem Jahr der mehrere Stunden anhaltende Regen die Feierstunde zum 25. Museumsfest. Um 14 Uhr eröffnete der Vorsitzende Johannes Herbst das diesjährige Museumsfest und begrüßte die von nah und fern angereisten Ehrengäste. Zum ersten Mal war Jochen Schmidt, Direktor der Landeszentrale für politische Bildung Mecklenburg-Vorpommern, anwesend. Sein Mitarbeiter, Heinrich-Christian Kuhn, der ihn in den vergangenen Jahren vertreten hatte, war am Abend zuvor anwesend gewesen. Zugegen war auch ehemalige Tiermediziner und Bundesvorstandsmitglied der Partei „Die Linke“, Prof. Dr. Wolfgang Methling, der sich in seiner Funktion als Umweltminister des Landes Mecklenburg-Vorpommern eingesetzt hatte. Ebenfalls begrüßte Herr Herbst den Landtagsabgeordneten Torsten Renz, die BdV-Landesvorsitzende Maika Friemann-Jennert, den Bundestagsabgeordneten Eckhardt Rehberg, den Landrat des Landkreises Rostock Sebastian Constien. Von der LWW begrüßte der Museumsleiter Dr. Sprungala, Dr. Mechler, Dr. Jakobi, vom Hilfskomitee O. Behre und vom Historischen Verein Wolhynien W. Manz und vom Verein Bugolendry dessen Vorsitzenden Eduard Bütow. Aus der Ukraine waren Dr. Ala Chernij und Tanya Kukharets aus Rowno (ukr. Rivne, pl. Równe), Lena Gribok und Olga Tybor aus Luzk (ukr. Lutsk, pl. Luck) und Svitlana Voloshyna aus Czernowitz (ukr. Tscherniwzi, pl. Czerniowce, früher Hauptstadt der Bukowina) angereist.

In einem Vortrag gaben Frau Horn und zwei weitere Vereinsmitglieder einen Überblick über die Geschichte des Museums, ehe dann die Grußworte der Ehrengäste folgten. Den Auftakt machte der Ortsbürgermeister Wilfried Baldermann, der an den festlichen Rahmen des heutigen Tages erinnerte, denn das Museumsgebäude sei nun 70 Jahre alt. Er ließ die Geschichte des Museums Revue passieren und betonte dessen Bedeutung als Bildungsstätte. Der Güstrower Landrat aus dem erst 2011 geschaffenen Rostocker Landkreis, Sebastian Constien, sprach von der packenden und eindringlichen Geschichte der Wolhyniendeutschen, die zeige, was Flucht, Vertreibung und dann Integration bedeuten. Ihre Geschichte durften sie erst nach 1990 erzählen und er lobt die aktuelle Förderung und Umgestaltung des Museums mit 40.000 €.

Der Direktor der Landeszentrale für politische Bildung, Jochen Schmidt, hob die große Bedeutung des Linstower Museums hervor, das sie aus diesem Grunde bereits sehr lange unterstützen. Anschließend überbrachte Walter Manz die besten Grüße des Historischen Vereins Wolhynien und des Freundeskreises Moczulky/ Matschulek und stellte anschließend die Damen aus der Ukraine vor, die als Gastgeschenk das symbolische „Brot und Salz“ mitgebracht hatten. Frau Dr. Ala Chernij überbrachte die Grüße der Abgeordneten der Bezirksverwaltung in Rivne. In seinem Grußwort sprach der Bundestagsabgeordnete Eckhardt Rehberg über den Frieden in Europa und wie sehr dieses Wort in Bezug auf die Ukraine zu hinterfragen ist. Er erwähnte auch die Sorgen der EU-Nachbarn im Baltikum und in Polen. Auch aus diesem Grunde ist das Museum in Linstow als Bildungseinrichtung wichtig und er sagte auch seitens des Bundes dem Museum weitere Unterstützung zu. Das Grußwort der verhinderten mecklenburg-vorpommerschen Justizministerin Hoffmeister faßte der Landtagsabgeordnete Torsten Renz inhaltlich zusammen. Erneut bekundete er seine eigene wolhyniendeutsche Beziehung.

Prof. Dr. Wolfgang Methling wies auf die Bedeutung des Festhaltens der Erinnerungen und Erfahrungen hin. So hat er selbst nach seiner Pensionierung seiner bessarabischen Herkunft gewidmet und meinte, seine Mutter könne über ihre Erfahrungen ein Buch schreiben, was sie aber nicht kann. Er riet daher dazu, die Erinnerungen aufzuzeichnen. Der Bundessprecher wies in seiner folgenden Ansprache darauf hin, daß diese Form der Erinnerungskultur und Geschichtsbewältigung das tägliche Brot der LWW seit ihrer Gründung im Jahr 1949 sei. Dr. Martin Sprungala bekundete, nicht über diese Themen reden zu wollen, da sie „unser Alltagsgeschäft“ sind. Statt dessen würdigte er die wichtige Arbeit des Museums, das sie LWW seit seiner Gründung und er selbst seit 2009 begleitet. Zahlreiche Begegnungen fanden statt und gemeinsame Projekte wie die Neugestaltung der Wanderausstellung um 2010 oder die Einweihung des Gedenksteins im Jahr 2015 wären hier zu nennen. Der Bundesvorstand der LWW hat deshalb bei seiner Bundeskulturtagung im Juni dem Museum, vertreten durch J. Herbst und all seine ehrenamtlichen Mitarbeiter, mit dem Kulturpreis der LWW ausgezeichnet. Es folgten musikalische Beiträge und auch dieses Jahr wurde ein Dreschwettbewerb mit alten Dreschflegeln veranstaltet. Zum Abschluß fand eine Tombola statt, in der man die Präsente örtlicher Unternehmen gewinnen konnte.

Der wolhynische Heimatgottesdienst mit Kranzniederlegung

Am Sonntag (3.9.2017) fand der traditionelle Heimatgottesdienst in der evangelischen Kirche in Kieth statt, der durch den Männergesangverein Laage und den Posaunenchor Krakow am See begleitet wurde. Den Gottesdienst gestaltete Pastor Oliver Behre. Anschließend trafen sich die Teilnehmer auf dem Museumsgelände, wo J. Herbst zwei weitere anwesende Ehrengäste vorstellte: den Europaabgeordneten Werner Kuhn und die Integrationsbeauftragte des Ministeriums für Soziales, Integration und Gleichstellung des Landes Mecklenburg-Vorpommern, Dagmar Kaselitz. Um 12 Uhr erfolgte nach dem Gedenken durch Pastor Behre die Niederlegung des Kranzes am Wolhyniendeutschen Gedenkstein durch den Abgeordneten Kuhn und Lena Gribok aus Luzk. Den Abschluß des Museumsfestes bildete auch in diesem Jahr ein letztes gemeinsames Mahl, ehe sich alle auf den Heimweg begaben.

Dr. Martin Sprungala


Veranstaltungsprogramm

  • „500 Jahre Reformation“, Referat von Herrn Hojczyk, (Ministerialrat a.D.)
  • Eröffnung der neuen Wanderausstellung mit Erweiterungen um die Nachkriegszeit bis zur Gegenwart.
  • Gedenken an die Opfer von Flucht und Vertreibung mit Kranzniederlegung
  • Musikalische Rahmung der Veranstaltung durch den Männerchor Laage mit Chorleiter Herrn Karl Kringel.

Nachlese 2016


Der Heimatverein Linstow hatte zum 3. Dezember 2016 zu seiner traditionellen Weihnachtsfeier eingeladen, zu der 47 Vereinsmitglieder erschienen waren. Der Weihnachtsbaum erstrahlte, eine anheimelnde Atmosphäre erfüllte den Saal. Die festlich geschmückte Tafel ließ erwartungsvolle Freude aufkommen. Bei Kaffee, Kuchen und Gebäck entwickelte sich eine gelöste Stimmung. Zu den begleitenden Ziehharmonikaklängen wurden viele vertraute Weihnachtslieder gesungen. Ein kleines Flötenkonzert, meisterlich vorgetragen von der Tochter der Familie Weißbach, versetzte alle in die andachtsvolle Zeit des Advent und des bevorstehenden Weihnachtsfestes.

Der Vereinsvorsitzende Johannes Herbst ließ es sich nicht nehmen, Angehörige des Vereins, die sich durch besonders gute Arbeit im zurückliegenden Jahr hervorgetan haben, mit Blumen und herzlichen Worten zu ehren. Er selbst war nicht wenig überrascht, dass auch ihm für sein aufopferungsvolles Engagement, das er stets und unermüdlich in den Dienst des Vereinslebens gestellt hat, sehr aufrichtig und unter dem Beifall aller Anwesenden gedankt wurde. Wenn die Mitglieder bei Arbeitseinsätzen und Festvorbereitungen zahlreich und uneigennützig zur Stelle waren und ihr kollektives Mitwirken bewiesen haben, dann war das Ausdruck und Beweis der guten Führungstätigkeit des Vereinsvorsitzenden Johannes Herbst. Nachfolgende Bildvorträge auf DVD und CD ließen das Vereinsleben des Jahres 2016 noch einmal Revue passieren. Die Bildungsreise nach Thüringen und das 24. Museumsfest wurden auf diese Weise anschaulich in Erinnerung gerufen.

Als eine der wichtigsten Aufgaben für das kommende Jahr, in dem der Heimatverein und das Wolhynier-Museum ihr 25-jähriges Bestehen begehen, ist die Um- und Neugestaltung der musealen Ausstellung. Alle sind aufgerufen daran mitzuarbeiten und, wenn möglich, zeittypisches Anschauungsmaterial zur Verfügung zu stellen. Allen Lesern dieses Beitrages und des Krakower Seen-Kuriers frohe Feiertage und ein gesundes, friedvolles und erfolgreiches Jahr 2017 wünscht

Brigitta Hückstädt, Mitglied des Heimatvereins .


Die diesjährige Bildungsreise des Linstower Heimatvereins führte vom 30. September bis zum 4. Oktober nach Thüringen. Auf dem Wege dorthin wurde das Panoramamuseum in Bad Frankenhausen besucht, das der Frühbürgerlichen Revolution und dem Deutschen Bauernkrieg von 1525 gewidmet ist und von dem bekannten Künstler Werner Tübke stammt, der es zwischen 1984 und 1987 geschaffen hat. Das monumentale Rundgemälde ist 123 Meter lang und 13 Meter hoch. Auf ihm sind rund 3000 Figuren dargestellt, darunter viele historische Persönlichkeiten wie Thomas Müntzer, Martin Luther und Albrecht Dürer. Von der Wirkung dieses Kolossalbildes waren alle tief beeindruckt. 

Die Weiterfahrt nach Weimar verlief reibungslos. Das Comforthotel am Rande der Stadt bot uns für die kommenden Tage eine angenehme Unterkunft. Der nächste Tag, es war der 1. Oktober, begann mit einer Stadtführung durch Weimar und brachte uns eine Wiederbegegnung mit vielen bekannten Sehenswürdigkeiten wie: Schloss, Anna-Amalia-Bibliothek, Musikhochschule Franz Liszt, Reiterdenkmal Karl Augusts, Schillerhaus, Goethehaus am Frauenplan, Goethes Gartenhaus, Nationaltheater und vieles mehr. Der sich anschließende Rundgang durch Goethes Wohnhaus und das Goethe-Museum rief uns in Erinnerung, was alles seit der Schulzeit in Vergessenheit geraten war. Den Abend im Hotel beschloss ein von Dr. Arnold Hückstädt gehaltener Bildervortrag zum Thema “Fritz Reuter als Zeichner und Porträtmaler”. Den Abend im Hotel beschloss ein von Dr. Arnold Hückstädt gehaltener Bildervortrag zum Thema “Fritz Reuter als Zeichner und Porträtmaler”.

Am Sonntag, dem 2. Oktober, ging unsere Thüringenreise weiter nach der Domstadt Erfurt. Unvergesslich der Blick auf den ehrwürdigen Dom und die Severikirche sowie der Besuch der weltberühmten Krämerbrücke. Am Nachmittag besuchten wir die Kleinstadt Kranichfeld, den Ort der Kindheit und Jugend unseres Vereinsvorsitzenden Johannes Herbst. Der Besuch im Kranichfelder Baumbachhaus machte uns bekannt mit dem Leben und Schaffen des in Kranichfeld 1840 geborenen Dichters Rudolf Baumbach, der das Lied “Hoch auf dem gelben Wagen” geschrieben hat. Nach einer gemeinsamen Kaffeetafel im Baumbach-Museum wurde die Fahrt fortgesetzt und führte nach der Ruine Oberschloss und am Abend zu dem 513 Meter hoch gelegenen Gasthof Riechheimerberg zum Klößeessen.

Am 3. Oktober, dem Tag der Deutschen Einheit, fuhren wir nach Eisenach. Wir besuchten die Villa, die sich Fritz Reuter, der bereits 1863 von Neubrandenburg nach Eisenach in Thüringen übergesiedelt war, am Fuße der Wartburg von dem renommierten deutschen Architekten und Baumeister Ludwig Bohnstedt bauen lassen hat. Die Besichtigung der zeitgenössischen Wohnräume von Fritz und Louise Reuter machte uns vertraut mit der Wohnkultur zu damaliger Zeit. Wir fühlten uns dem größten plattdeutschen Dichter Fritz Reuter, der in der Eisenacher Zeit die Romane “Dörchläuchting” und “De Reis’ nah Konstantinopel” geschrieben hat, ganz nah und empfanden Dankbarkeit. Am Nachmittag ging’s hinauf zur Wartburg, der berühmten Veste, die zum einträchtigen Symbol für deutsche Geschichte und für den Kampf um die Einheit und Eigung des deutschen Vaterlandes geworden ist. Eine blendende Führung, gehalten von einer jungen Mitarbeiterin der Wartburgstiftung, wurde zu einem weiteren Höhepunkt des Tages. 

Die Rückfahrt in die Heimat am 4. Oktober wurde unterbrochen durch einen Abstecher in die Wörlitzer Anlagen, die uns durch Gondelfahrten bei herrlichstem Sonnenschein in bester Erinnerung bleiben werden. Schöner und eindrucksvoller konnte unsere Bildungsreise nicht zu Ende gehen. 

Brigitta Hückstädt, Mitglied des Heimatvereins.



01.06.2016 — Schülerprojekt

Gefördert durch das Bundesprogramm „Demokratie leben! Aktiv gegen Rechtsextremismus, Gewalt und Menschenfeindlichkeit“ der Ämter Krakow am See und Mecklenburgische Schweiz feierten 87 Fünft-und Sechstklässler aus den Schulen Langhagen, Krakow am See und Lalendorf den Internationalen Kindertag im Wolhynier Museum in Linstow. Projektträger war der Schulförderverein ev. Schule Langhagen.

Der Amtsvorsteher Herr Baldermann und Pate des Projektes begrüßte um 8:30 Uhr alle Kinde, Lehrer und Betreuer mit einer kurzen Ansprache, in der er den besonderen Stellenwert dieses Tages würdigte und allen Beteiligten schöne gemeinsame Stunden wünschte. Fleißige Helfer hatten im Vorfeld eifrig und voller Einsatzbereitschaft dazu beigetragen, dass auf die Kinder ganz besondere Überraschungen warteten. Viele dieser Betreuer gehören den Vereinen der Region an und erwarteten die Kinder nun an den verschiedenen Stationen. Nach der Einteilung der Jungen und Mädchen in 6 gemischte Gruppen aus alle teilnehmenden Schulen konnten die Anlaufpunkte auf dem Gelände des Museums und in der Ortslage nacheinander besucht werden. Und es gab jede Menge zu sehen und zu entdecken!

Bei der 1. Station „Tiershow“ erwartete der Landwirt Herr Baldermann die Kinder auf seinem Gehöft. Hier konnten Tierkinder und Tiereltern zum Anfassen nahe erlebt sowie neuste Technik bestaunt werden. Die Fahrt mit einem modernen Mähdrescher war für Mädchen wie Jungen gleichermaßen aufregend und interessant. Herr Wilfried Baldermann und Herr Poleratzki sowie ein weiteres Mitglied des Seniorenbeirates begleiteten die Führungen auf dem Tierhof.

Die 2. Station „Heimatmuseum“ wurde den Schülern von Herrn Herbst näher gebracht. Er erklärte kindgerecht, was es alles im Heimatmuseum zu sehen gab. Gut war auch, dass einige Dinge angefasst werden durften, eine Erlaubnis, die für ein Museum ja nicht selbstverständlich ist. Beim Ausfüllen der Beobachtungsbögen (erarbeitet durch die Schule Langhagen) zeigte sich, wie gut die kleinen Gäste beim Rundgang aufgepasst hatten. Eine 3. Station „Brot backen“ betreute Frau Lorenz zusammen mit zwei Mitgliedern des Seniorenbeirates. Hier konnten die Kinder miterleben, welche Arbeitsgänge nötig sind, bis aus Teig Brot wird. Sie konnten alle Arbeitsprozesse mitmachen und mittags das selbst gebackene Brot essen.

Auch die Station Nr. 4 „Piroggen backen“ ist durch Frau Voigt und Frau Werner gemeinsam mit einem Mitglied des Seniorenbeirates möglich geworden. Auch hier erlebten die Kinder den gesamten Herstellungsprozess – bis hin zum Aufessen. Station Nr. 5 war „Polizei und Feuerwehr“ Herr Franck von der Polizeidienststelle Teterow betreute seinen Teil der Station. Er ist ebenfalls Pate des Projektes und kam natürlich mit seinem Dienstfahrzeug. Durch die Feuerwehr aus Linstow wurde der zweite Teil dieser Station möglich gemacht. Die drei Kameraden kamen pünktlich um 8:30 Uhr mit einem Feuerwehrauto vorgefahren und ließen es sich nehmen, mit den Kindern eine kleine Runde zu drehen.

Besonders gut kam bei allen Kindern die ehrenamtlich geleitete Naturkundeführung Station Nr. 6 an. Der Betreuer war Herr Koch. Die Mädchen und Jungen liefen bis zur Nebel und entdeckten unterwegs Schlangen, Frösche, Libellen, Muscheln und sogar einen Krebs – das war Natur pur. Wer weiß, ob nicht so mancher Junge oder so manches Mädchen unter diesem Eindruck die eigene Naturexpedition fürs nächste Wochenende geplant hat? Solch einen oder auch andere Wünsche zum Internationalen Kindertag schrieben die Kinder jedenfalls auf und hängten sie an einen Wunschbaum, der auf dem Hof des Museums stand. Den ganzen Tag über nahm er alle Kinderwünsche „geduldig“ in Empfang.

Zur Mittagszeit gab es Bratwurst am Grill, serviert vom „Grillmeister“ Herrn Borchert, sowie das selbst gebackene Brot und die Piroggen, außerdem auch Obst und Getränke. Nach dem Mittagessen besuchten alle Gruppen die letzten noch ausstehenden Stationen, räumten den Platz auf und verabschiedeten sich zuletzt von den Organisatoren Frau Nehls, Herrn Hohn und Herrn Krings sowie von allen Betreuern und Helfern (Frau Voigt, Frau Werner, Herr Herbst, Herr Reimann, Herr Borchert, dem Seniorenbeirat sowie Frau Lorenz). Ohne ihr Engagement wäre dieses Kinderfest nicht möglich gewesen. Ihnen sei an dieser Stelle recht herzlich für ihre Einsatzbereitschaft und ihren Ideenreichtum gedankt.

Durch ihre gemeinschaftlichen Bemühungen wurde das Fest auf dem Hof des Heimatmuseums in Linstow anlässlich des Internationalen Kindertages zu einem schönen Erlebnis, an das sich die Kinder noch lange erinnern werden. Wir bedanken uns allen fleißigen Helfern

Ev. Schule Langhagen, Regionale Schule Krakow am See mit Grundschule und Johann-Pogge Schule Lalendorf


Nachlese 2015


Das 23. Linstower Museumsfest – ein Fest der Freude, der Erinnerung und des Gedenkens

Vom 4. bis 6. September diesen Jahres beging der Linstower Heimatverein zusammen mit vielen hundert Gästen aus nah und fern sein 23. Museumsfest. Es begann mit einer bewegenden Abendveranstaltung am 4. September, die vom Vereinsvorsitzenden Johannes Herbst eröffnet wurde, und auf der das Vorstandsmitglied des Historischen Vereins Wolhynien, Walter Manz, an den vor einhundert Jahren im ukrainischen Shitomir geborenen Swjatoslaw Richter erinnerte, der ein weltberühmter Pianist gewesen ist. Dann schloss sich die Vorführung des 2009 fertig gestellten Filmes „Auf einem langen Weg“ an. Der Film behandelt das ergreifende Fluchtschicksal zweier Jungen, des sechsjährigen Achim und seines zehnjährigen Bruders Werner, die, getrennt von ihrer schwer verwundeten Mutter, sich allein auf die Flucht vor den immer näher rückenden russischen Truppen begeben und einen entbehrungsreichen Weg voller Gefahren nach Glauchau zu ihrer Tante zu bestehen haben. Der Film hat die Gemüter der Zuschauer tief berührt und sie zu stillem Nachdenken veranlasst.

In einer ebenso begeisternden wie gehaltvollen Begrüßungsrede, in der die Probleme des Museumsalltags ebenso angesprochen wurden wie die tragischen Schicksale im Globalen, hieß der Vereinsvorsitzende Johannes Herbst die zahlreichen Gäste am 5. September, dem Haupttag des Festes, herzlich willkommen, darunter den Bürgermeister Herrn Baldermann, den Landtagsabgeordneten Torsten Renz, den Schweriner Ministerialrat Herrn Hojczik und den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe Herrn Dr. Sprungalla. Sie alle betonten in ihren Grußworten, dass die Ursachen für die gegenwärtige Flucht und Vertreibung bekämpft werden müssen und dass gerade wir Deutschen unsere Herzen und unsere Solidarität den zu uns gekommenen, Schutz suchenden Flüchtlingen zuwenden und ihnen unsere Hilfe zuteil werden lassen.

Am Nachmittag des 5. September strebte das Fest seinem Höhepunkt entgegen. Die Freude des Wiedersehens und des wolhynischen Gedankenaustausches teilten auch die von weither gereisten Gäste von der Nordseeinsel Hallig Hooge und aus Schweden. Die emotionale Klammer bildete das vom Linstower Vereinschor gesungene Wolhynierlied, stimmungsvoll begleitet von Ernst mit seinem Akkordeon. Viele fleißige Vereinsmitglieder wurden auf die Bühne gebeten, mit Worten des Dankes geehrt und mit Blumensträußen beschenkt. Der Vereinsvorsitzende Johannes Herbst erhielt von seinen Mitstreitern einen Präsentkorb als Ausdruck ihres Dankes für sein unermüdliches, alle mitreißendes Wirken im Interesse der wichtigen Vereinsarbeit.

Es folgten schöne gemeinsame Stunden mit unvergesslichen kulturellen Darbietungen. Galina aus der Ukraine bewies abermals ihr musikalisches Talent als virtuose Akkordeonspielerin. Eine Gruppe des Krakower Patenkindergartens sang fröhliche Kinderlieder. Die sangesfreudigen Frauen der Gruppe „Regenbogen“ aus Güstrow brachten alte bekannte und neue Lieder zu Gehör. Die Tänzerinnen des Tanzstudios Arthus aus Rostock begeisterten auch in diesem Jahr mit ihren grazil vorgetragenen Darbietungen. Den Dreschflegelwettbewerb gewann eine 87-Jährige, die den Umgang mit diesen Geräten noch in der Heimat Wolhynien gelernt hatte. Eine Tombola überraschte manchen Gewinner und trug zur Auflockerung und Erheiterung bei. Großen Zuspruch fand wie immer ein reichhaltiges, von fleißigen Vereinsfrauen hergerichtetes Büfett mit zahlreichen Sorten feinsten Kuchens, mit Piroggen, im Steinofen gebackenem Brot und ein gegen Abend eröffneter Grillstand mit Bratwurst und Steak. Für jeden Geschmack war gesorgt. Der Festtagssonnabend ging fröhlich und mit großer Zufriedenheit für jeden Teilnehmer zu Ende.

Das in jeder Beziehung gelungene 23. Museumsfest ist dem Vorstand des Heimatvereins ein aufrichtiges Bedürfnis, herzlichen Dank zu sagen sowohl den tüchtigen privaten Kuchenbäckerinnen und Helfern als auch den nachfolgend aufgeführten zahlreichen Förderern und Sponsoren: Apotheken aus Krakow am See und Malchow, Olaf Baldermann vom Landwirtschaftsbetrieb Linstow, Diakonie Linstow, Herrn Kellermann von der GMK GmbH, Familie Lange von der Provinzialversicherung, Familie Marek von der Tankstelle, Fleischerei Nielebock, Frau Orlemann von EDEKA Hohen Wangelin, Ospa Krakow am See, Physiotherapie Lange, Raiffeisenbank Krakow am See, Familie Schütz vom Geschäft „Tante Emma“ und Van der Valk Resort Linstow. Bei der am Samstagabend in Linstow zu Ende gegangenen Sommertour des NDR war der Heimatverein Linstow Wettpartner und hat mit über 140 kleinen und großen Indianern die geforderten 100 überboten und den ausgelobten Preis von LOTTO Mecklenburg gewonnen. Allen die mitgemacht haben, sei herzlich gedankt!

Mit einem Gottesdienst in der Linstower Kirche wurde der Sonntag eingeleitet, der mit Liedern des Laager Männerchores in stilvoller Weihe umrahmt wurde. Der Männerchor sang auch in der Festscheune. In die vorgetragenen Volkslieder stimmten die Gäste mit ein. Den Abschluss des Museumsfestes bildete eine bewegende Kranzniederlegung am Gedenkstein auf dem Museumsgelände. Ein Gebinde aus goldfarben leuchtenden Sonnenblumen, versehen mit einer Schleife, auf der die Namen der aktuellen Flüchtlingsländer Ukraine-Syrien-Afrika zu lesen sind, hält unser Gewissen und Gedenken wach und ruft uns auf, Verantwortung zu übernehmen und Solidarität zu leisten. 

Die zu Herzen gehende Rede des Aussiedlerbeauftragten Pastor Helge Classon, Kirchenpräsident a. D., und der angemessene Gesang des Laager Männerchores verliehen dem Verweilen am Gedenkstein einen ernsten, getragen-feierlichen Charakter und dem Linstower Museumsfest einen würdigen Ausklang. Mit der Hoffnung, im nächsten Jahr am 24. Museumsfest wieder dabei zu sein, und dem Wunsch auf Gesundheit nahmen die Festteilnehmer Abschied voneinander.

Brigitta Hückstädt, Mitglied des Heimatvereins.


Gedenkstein für die Opfer von Flucht und Vertreibung in Linstow Gedenken der Deportation der Wolhyniendeutschen vor 100 Jahren 

Im Jahr 1915 begann die Deportation der Wolhyniendeutschen im Russischen Zarenreich, die Teil einer Vielzahl von Zwangsmaßnahmen gegen die ethnischen Minderheiten in Russland war. Auslöser war die Urkatastrophe des 20. Jahrhunderts, der 1. Weltkrieg, der jegliches moralisches Verhalten auslöschte und es zu Gewaltaktionen gegen Minderheiten kam bis hin zu Massenmorden und Genoziden wie sie u. a. an den Armeniern verübt wurden. Hieran wurde erstmals im größeren öffentlichen Rahmen im April 2015 seitens der Politik gesprochen. Auch an eine Gewalttat gegen eine kleine deutsche Siedlungsgruppe, die Wolhyniendeutschen, deren schweres Schicksal im 20. Jahrhundert hier seinen dramatischen, mörderischen Auftakt nahm, wollte das Wolhynische Umsiedlermuseum in Linstow erinnern – und dies gelang furios in einer sehr würdigen, mit etwa 140 Personen aus Nah und Fern gut besuchten Veranstaltung.

Das Museum hat bereits im vergangenen Jahr einen „Garten des Gedenkens“ eingerichtet, in dem der Grabstein der 1936 in Wolhynien verstorbenen Adoline Wörffel (1893-1936) aufgestellt wurde. Beim 22. Museumsfest wurde erstmals der Toten von Krieg, Deportation, Flucht und Vertreibung durch den Schirmherrn des Festes, des Bundessprechers, gedacht (siehe WW 12/2014). Die Idee, einen Gedenkstein zu errichten und ihn im 100. Jahr der Deportation feierlich einzuweihen, wurde in der Folgezeit umgesetzt und in der Gedenkfeier vom 17.5.2015 abgeschlossen. Um 14 Uhr eröffnete der Posaunenchor mit dem Wolhynierlied, von dem drei alte und drei neue Strophe von den Vereinsmitgliedern mit gesungen wurden, die Gedenkveranstaltung. Im Folgenden umrahmten weitere Lieder des Chores die Veranstaltung. 

Einleitung in die historische Thematik 

In seiner Eröffnungsrede konnte Johannes Herbst, der Vorsitzende des Heimatvereins Linstow e. V., der Träger des Wolhynischen Umsiedlermuseums ist, eine Vielzahl an hochrangigen Ehrengästen begrüßen, so die mecklenburg-vorpommersche Justizministerin Uta-Maria Kuder, den Gesandten der ukrainischen Botschaft, Botschaftsrat Oleh Mirus mit seiner Frau (siehe auch Wolhyniertreffen, in: WW 3+4/2015), den Landrat des Kreises Rostock, Sebastian Constien, den Bürgermeister der Gemeinde Dobbin-Linstow, Wilfried Baldermann, die Referentin der Landeszentrale für politische Bildung aus Schwerin, Dr. Iduna Sager, den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Dr. Martin Sprungala, den Landtagsabgeordneten Torsten Renz und den Leiter der Europäischen Akademie in Rostock, Jörn Mothes, der mit einer Gruppe von etwa je einem Dutzend Studenten der Universitäten Rostock und Krakau (Kraków) gekommen war.

Johannes Herbst erinnerte an das schwere Schicksal der Wolhyniendeutschen, das mit dem Liquidationsgesetz von 1915 begann. Er stellte die Frage: „Die Erlebnisgeneration hat damals gesagt, ‚Nie wieder Krieg’, - in Europa war man davon beseelt. 70 Jahre hat das auch gewirkt!“ Und Herr Herbst bekundete: „Und das ist das Problem, wenn die historischen Ereignisse nicht objektiv weitergegeben werden, dann wird sich die Geschichte wiederholen, und zwar so lange, wie man nicht gewillt ist, alles dafür zu tun, der jungen Generation dies anschaulich zu überbringen. Dazu wollen wir mit unserem kleinen Museum, welches von Menschen erbaut worden ist, die die Vertreibung, Flucht und Umsiedlung mehrfach und real im vergangenen Jahrhundert durchleben mussten, einen Beitrag leisten“. Er schlussfolgerte: „Das Wissen um die eigene Geschichte ist eine wesentliche Grundlage zur Resistenz gegen nationalistische und rechtsradikale Gedanken.“ Anschließend übergab Johannes Herbst das Wort an den Historiker Dr. Martin Sprungala, der einen historischen Abriss der Ursachen und Ereignisse des Jahres 1915 in Wolhynien und in Russland gab. (Der verkürzte Vortrag wird in einem gesonderten Beitrag abgedruckt werden).

Grußworte 

Das erste Grußwort für die Landesregierung in Mecklenburg-Vorpommern sprach die Justizministerin Uta-Maria Kuder: „Es ist wichtig, das wir heute an die Folgen des von Hitlerdeutschland begonnenen Krieges mehr denn je erinnern. Die Folgen weltweiten Terrors sind 70 Jahre nach Kriegsende leider wieder hochaktuell. Darum bin ich dem Heimatverein Linstow mit seinen wolhyniendeutschen Familien dankbar dafür, das sie einen Gedenkstein zur Erinnerung an die Opfer von Flucht und Vertreibung gesetzt haben. Aus ihrer eigenen schmerzhaften Erfahrung können sie berichten, welches Leid und welche Ängste Flüchtlinge aus aller Welt auszustehen haben, die heute bei uns in Mecklenburg-Vorpommern Zuflucht suchen“.

In seinem Grußwort betonte der Gesandte, Oleh Mirus, wie wichtig der ukrainischen Botschaft die Arbeit der ehemaligen Bewohner seines Landes sei. Der Verlust der vielen Gruppen, die einst in der Ukraine gelebt haben, macht sich in der Landesgeschichte schmerzlich bemerkbar. Wären sie noch vorhanden, wären die Geschichte und die Annäherung der Ukraine an die Europäische Union vielleicht viel eher erfolgt. Ein weiteres Grußwort hielt der Bürgermeister Wilfried Baldermann, der betonte, die Gemeinde Dobbin-Linstow werde alles tun, um dieses Schatzkästen der Gemeinde, wie er das Museum nannte, zu bewahren. Auch Frau Dr. Iduna Sager von der Landeszentrale für politische Bildung zeigte sich beeindruckt von der Arbeitsleistung des Linstower Museums und sagte die Unterstützung ihres Hauses zu.

Aus Polen angereist war Pfarrer Wacław Kuriata aus Mirków (dt. Mirkau) nordöstlich von Breslau (Wrocław). Er ist führendes Mitglied im Verein der ehemaligen polnischen Wolhynier. Der gut deutsch sprechende Kleriker betonte, dass es ihm eine große Freude sei, die wolhynischen Brüder und Geschwister in Deutschland, hier in Linstow vor einigen Jahren wiedergefunden zu haben. Seit neun Jahren hat das Museum Linstow auch Kontakt zur Europäischen Akademie in Rostock. In diesem Jahr nahm die seither obligatorische Besuchergruppe aus Rostock und Polen an dieser Gedenkfeier teil und konnte ein Stück gelebte Geschichte und Geschichtserinnerung miterleben. Der Leiter der Akademie, Jörn Mothes, der vor seiner Tätigkeit hier langjähriger Landesbeauftragter für die Stasi-Unterlagen in Mecklenburg-Vorpommern war, hielt ebenfalls ein Grußwort.

Gedenksteinenthüllung

Anschließend an die Grußworte begaben sich alle zum Gedenkstein, der dreisprachig – deutsch, polnisch und ukrainisch – beschriftet ist mit den Worten: „Den Opfern von Flucht und Vertreibung“. Der Posaunenchor spielte das Lied: „Großer Gott wir loben Dich“. Anschließend hielt Pastor Oliver Behre, stellvertretender Vorsitzender des Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V. und seit Jahren dessen Wolhynienbeauftragter, zusammen mit Pfarrer Wacław Kuriata eine ökumenische Andacht. Der Gedenkstein war mit einer dreigestaltigen Fahne, bestehend aus der ukrainischen, polnischen und deutschen Fahne, abgedeckt und wurde durch Vertreter der drei einst in Wolhynien ansässigen Siedlungsgruppen enthüllt: Ernst Reimann aus Linstow, Botschaftsgesandter Oleh Mirus sowie der Wolhynier Erwin Würfel aus Bielefeld und Stefan Kuriata aus Breslau. Der Gesandte Mirus hatte zuvor ein Blumengebinde am Gedenkstein niedergelegt. Anschließend lud Herr Herbst die Anwesenden zu Kaffee und Kuchen ein und führte den Gesandten mit seiner Frau durch das Museum, da er bald wieder abreisen musste.

Später folgten dann weitere Führungen für die deutschen und polnischen Studenten u. a. Gäste. Direkt nach der Veranstaltung reiste Pastor Behre mit dem öffentlichen Bus in die Ukraine, nach Lutsk in Wolhynien ab. Aus diesem Grunde hatte Herr Herbst alle Anwesenden um eine Spende gebeten, damit die Gelder, die er bereits bei sich hatte, noch um weitere Hilfen für die Gemeinde Lutsk erweitert werden konnten. Es kamen 255 Euro zusammen. Bei der weiteren Führung der polnischen Studenten durch die Ausstellungen standen nicht nur Johannes Herbst, sondern auch Ernst Reimann, Dr. Sprungala und der mit ihm angereiste Leonhard v. Kalckreuth ihnen für Fragen zur Verfügung, wovon auch ausführlich Gebrauch gemacht wurde. Somit bekamen die Studenten an diesem Tag eine sehr anschauliche Geschichtsstunde.

Dr. Martin Sprungala


Nachlese 2014


30.10. bis 02.11.2014

Am 30. Oktober um 8 Uhr, die Sonne lugte durch den Frühnebel, starteten wir mit dem Bus ab Linstow. In Königs Wusterhausen stiegen noch zwei Bildungsreisende zu, so dass wir mit 46 Wissbegierigen Richtung Süden fuhren. Bei schönem Wetter war auf der Hinreise der Besuch des Fürst-Pückler-Parks in Bad Muskau geplant. Aber in Königs Wusterhausen regnete es bereits. So dass wir statt des Parks das Eiskaffee in Ortrand als Zwischenziel wählten. Nach der Eisschlemmerei ging es auf direktem Wege nach Görlitz. Während der Fahrt erhielten wir von Dr. Martin Sprungala eine Einführung in die Geschichte Schlesiens. Gegen 17 Uhr kamen wir in der Jugendherberge in der Altstadt von Görlitz an.

Der erste Eindruck dieser Stadt war schon imposant. Nach dem Abendessen trafen wir uns, um die Geburtstage von Helmut Wagner und Ernst Reimann zu feiern. Mit Sekt, Kuchen, Gesang und lustigen plattdeutschen Gedichten, die uns Herr Dr. Hückstädt vortrug, erlebten wir einen amüsanten Abend. Am Freitag, es war ja Feiertag, stand die Führung durch die Altstadt auf dem Programm. In zwei Gruppen aufgeteilt, zeigten uns die Stadtführerinnen bei einem Rundgang von 90 Minuten Sehenswürdigkeiten von Görlitz. Anette Steiner und Christoph Herbst notierten sich manche Details.

Die Stadt hatte das Glück, im zweiten Weltkrieg kaum Schäden zu verzeichnen, jedoch verfielen die historischen Gebäude während der DDR-Zeit und waren 1989 zum Teil nur Ruinen. Achzig Prozent der alten Gebäude konnten bisher restauriert werden. Der Aufbau der Stadt nach der Wende wurde durch einen Spender, welcher unbekannt bleiben möchte, finanziell stark unterstützt. Ein Beispiel ist das Gasthaus Flyns (auf der Homepage des Gasthauses ist ein Foto vom damaligen Abrisshaus zu sehen). Die Stadtführung endete auf der Neißebrücke. Von hier ist es nicht weit bis zur Pfarrkirche St. Peter und Paul. Wir wollten um 12 Uhr dort sein, um die Sonnenorgel zu erleben. Die Besonderheiten dieser Orgel wurden vorgestellt und wir lauschten einem kleinen Orgelkonzert. Bis zum nächsten Termin unternahm jeder etwas nach eigenem Wunsch, aß mehr oder weniger, ging shoppen oder hielt Mittagsruhe. 

Der Bus brachte uns zur Abfahrtsstation des „Bergschleichers“. Mit diesem fuhren wir, wieder in zwei Gruppen, auf den Gipfel der Landeskrone, um dort ein „Tippl“ Kaffee und einen „Schlesischen Kuchenteller“ zu genießen. Die Landeskrone, der Hausberg von Görlitz ist vulkanischen Ursprungs und 420 Meter hoch. Leider wurde es schon diesig und somit die Weitsicht beschränkt. Nach Sonnenuntergang kühlte es sich dort oben merklich ab. Der „Bergschleicher“ brachte uns auch im Dunkeln sicher nach unten, wo unser Bus bereit stand.
Kino oder Theater war für den Abend organisiert. Zwei Filme standen zur Auswahl: „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster stieg …“, „The Cut“ oder die „Csardasfürstin“ von Emmerich Kalman. Die Mehrheit entschied sich für den Hundertjährigen – ein sehr vergnüglicher Film. Ob das Kino schon mal so gefüllt war, wissen wir nicht. Es mussten extra Stühle aufgestellt werden.

Am Samstag besuchten wir das Schlesische Museum. Dieses Museum brachte uns die wechselvolle Geschichte Schlesiens nahe. Das erst 2006 eröffnete Museum vereint vier historische Gebäude, die mit einer Glasüberdachung verbunden wurden. Außer der dokumentierten Geschehnisse der letzten 1000 Jahre zeigt das Museum auch Kunst aus Schlesien. Die Zeit reichte nicht, um alles zu besichtigen.
Nach einem kleinen Imbiss besuchten wir das Barockhaus Neißstraße 30, einem Objekt des Kulturhistorischen Museums Görlitz in dem sich die Oberlausitzische Bibliothek der Wissenschaften mit dem historischen Bibliothekssaal befindet. Die Fülle der historischen Bücher weckt den Wunsch, darin zu stöbern.

Im ersten Stock sind Wohnräume des ehemaligen Hausherrn, Christian Ameiß, zu besichtigen und im zweiten Stockwerk auch wissenschaftliche Gerätschaften und die Bibliothek. Sogar ein Originalgemälde von Spitzweg „Der Gartenfreund“ ist zu sehen. 
Das Heilige Grab war unsere letzte Station an diesem Tag. Der Bau der Grabanlage, eine verkleinerte Kopie des Heiligen Grabes in Jerusalem, begann 1480 und wurde 1504 eingeweiht. Uns wurden die Symbole ganz detailliert erläutert. Mit Bier, Wein, Gesang und Witzen klang unser letzter Abend im Görlitzer Bürgerstübl aus. Hier erfuhren wir auch den Grund des fleißigen Mitschreibens von Anette und Christoph – sie hatten etliche Fragen vorbereitet. Für die schnellsten richtigen Antworten gab es Preise.

Sonntagmorgen hieß es Abschied nehmen von dieser schönen Stadt, in der noch vieles zu entdecken wäre. Bei herrlichem Sonnenschein konnten wir auf der Heimreise den Abstecher zum Fürst-Pückler-Park in Bad Muskau machen. Leider erlaubte die kurze Zeit nur einen kleinen Einblick in den weitläufigen Park, der zum größten Teil östlich der Neiße in Polen liegt. Jedoch, das imposante Schloss präsentierte sich bei schönstem Herbstwetter. Gegen 18 Uhr kamen wir wohlbehalten in Linstow an. Danke für die tolle Reise. Danke dem netten Busfahrer und besonderen Dank an Johannes Herbst, Erika Werner und Rosi Vogt.

Christine Dupke


Am 29.10.2014 war in Güstrow die Ausstellungseröffnung der Wanderausstellung des Heimatvereins Linstow e. V., die in Zusammenarbeit mit dem Historischen Verein Wolhynien erarbeitet worden ist. Weitere Stationen waren Bützow, Krakow am See und Dummerstorf. Danach kehrte sie wieder zurück in die Bildungs- und Museumsscheune nach Linstow.


Der Heimatverein und das Wolhynier Umsiedler-Museum Linstow begingen vom 5. bis 7. September 2014 ihr nunmehr 22. Museumsfest, das unter der Schirmherrschaft von Herrn Dr. Martin Sprungala, dem Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, stand. Unübersehbar groß war die Zahl der Mitglieder des Vereins und der Freunde des Wolhynier-Museums, die sich bei schönstem Spätsommerwetter in Linstow versammelt hatten. Auch zahlreiche Ehrengäste waren der Einladung nach Linstow gefolgt, unter ihnen Freunde aus Breslau in Polen, aus Riwne in der Ukraine und der Geschäftsführer der Ukrainischen Botschaft in Berlin, Herr Vasyl Klymynets.

Ein großes Festzelt, das seine Seitenwände wegen des schönen Sommertages geöffnet hatte, vereinte die vielen Teilnehmer, von denen nicht wenige einander kannten. Die Zusammenkunft hatte einen wohltuenden familiären Charakter, es gab bei der Kommunikation weder Hemmschwellen noch Vorbehalte. Aus der Verbundenheit mit den Vorfahren in Wolhynien hat sich ein spürbar starkes Gemeinschaftsgefühl der Nachfahren entwickelt, nicht zuletzt geweckt und gefördert durch die kluge Arbeit des Vorstandes und der Mitglieder des Heimatvereins sowie seines nimmermüden Vorsitzenden, Johannes Herbst. Alle Redner fanden zu Herzen gehende Worte, erinnerten an die Deutschen und deren leidvolles Schicksal in Wolhynien, mahnten, dass sich das niemals und nirgendwo auf der Erde wiederholen dürfe und gaben der Hoffnung zuversichtlichen Ausdruck, dass in den gegenwärtigen Krisenherden in Europa bald Frieden einkehre.

Zur Eröffnungsveranstaltung am Freitag, dem 5.September, fand am Abend in der Festscheune eine öffentliche Mitgliederversammlung statt, an der auch bereits einige geladene Gäste teilnahmen. Nachdem das Wolhynienlied verklungen war, berichtete der Vereinsvorsitzende Johannes Herbst über die geleistete Arbeit und Vereinsaktivitäten des zurückliegenden Jahres. Den Hauptteil des Abends bestritt Swetlana aus Riwne in der Ukraine. Als Mitarbeiterin eines großen touristischen Unternehmens machte sie mit attraktiven Reisezielen in der Westukraine bekannt und lud auf charmante Weise ein, ihre Heimat zu besuchen. Danach gab die ukrainische Akkordeonvirtuosin Galina Classe ein kleines Konzert und ließ den Abend mit einer Folge bekannter Melodien beschwingt ausklingen.

Am Sonnabend, dem 6. September, begrüßte unter dem herzlichen Beifall der Versammelten der Vereinsvorsitzende Johannes Herbst die Ehrengäste, zu denen neben den bereits genannten Persönlichkeiten aus Polen und der Ukraine und dem Schirmherrn Dr. Sprungala auch Herr Walter Manz vom Historischen Verein Wolhynien, Herr Kuhn von der Politischen Landeszentrale sowie der Landtagsabgeordnete Herr Renz gehörten. Nachdem die Grußreden gehalten waren, begann ein abwechslungsreiches Kulturprogramm mit Musik, Chorgesang, professionellen Tanzeinlagen sowie heiteren und ernsten Wortbeiträgen, woran alle ihre Freude hatten, und das sich bis in den Abend erstreckte. Den von den fleißigen Frauen des Vereins selbstgebackenen Kuchen sowie die Piroggen ließen sich die Gäste sichtlich gutschmecken. Die vielen persönlichen Gespräche trugen zu einer lockeren Festatmosphäre bei. Mit einem zünftigen Grillabend ging der zweite Festtag zu Ende.

Am Sonntag, dem 7. September, kamen die Festteilnehmer zu einem Heimatgottesdienst in der Linstower Kirche zusammen. Pastor Behre ging auf die gegenwärtige Situation in der Ukraine ein und bat in seinem Gebet um Frieden für das leidgeprüfte Land. Die vom Männerchor aus Laage gesungenen Lieder sorgten für eine erhebende feierliche Stimmung. Anschließend fand in der Gedenkecke des Museumsgeländes eine Kranzniederlegung statt. Es wurde der vielen namenlosen Wolhynier, die auf der Flucht ihre Leben verloren, gedacht. Gestärkt mit dem schmackhaften Essen aus der Gulaschkanone, nahmen die Gäste Abschied voneinander und von einem außerordentlich gelungenen Museumsfest, für das den vielen fleißigen Helfern um Johannes Herbst aufrichtiger Dank gebührt. Mit dem Dank verbindet sich die Vorfreude auf das nächste Museumsfest in Linstow.

Mitglied Brigitta Hückstädt



24.03. bis 26.03.2014

Besuch des Europäischen Parlaments in Straßburg 

Auf Einladung von Werner Kuhn, Mitglied des Europäischen Parlaments und einziger Vertreter unseres Bundeslandes dort, haben wir an einer Informationsfahrt zum Parla-ment nach Straßburg teilgenommen. Neben 20 Freunden des Heimatverein Linstow e.V. waren Schüler aus Ribnitz in Vorpommern dabei. Im vollbesetzten Bus sind wir voller Erwartung auf das viel versprechende Programm am 26. Februar ins Elsass aufgebrochen. Knapp drei Tage waren wir unterwegs.

Unmittelbar nach Ankunft in unserem Hotel in Kehl ging es gleich über den Rhein und die Europabrücke ins gegenüberliegende Straßburg. Ein Abendspaziergang in der Altstadt vermittelte uns erste Eindrücke von der weltoffenen doch gemütlich wirkenden Europastadt. Beeindruckend war das im nächtlichen Scheinwerferlicht erstrahlende Liebfrauenmünster mit seinem 144 m hohen Turm, der schon Goethe beim Treppensteigen in jungen Jahren Ehrfurcht lehrte.

Durch eine lange Fußgängerzone hindurch erreichten wir unser heimeliges Abendlokal, wo uns neben für die Region typischen Flammkuchen einheimische Gerichte und guter Hauswein mundeten. Dort empfingen wir auch Werner Kuhn, der uns auf unseren eigentlichen Besuchstag im Parlament am folgenden Morgen einstimmte. Dazu muss man sagen, dass wir schon während der langen Anfahrt aus dem Norden von Ingo Freund, einem Mitarbeiter unseres Gastgebers, freundlich und kompetent begleitet worden sind. Mit Hilfe eines Quizzes hat er uns spielerisch Europa und die europäische Idee nahe gebracht. Äußerst interessant und unterhaltsam lernten wir eine Fülle an Details über die Europäische Union, seine politische Organe wie das Parlament, die Kommission und den Rat, sowie über die 28 Mitgliedsstaaten und 24 Amtssprachen. Wir diskutierten heiß und zuweilen kontrovers und füllten Wissenslücken. In Aussicht gestellte Preise hatten den Ehrgeiz vieler Teilnehmer zusätzlich beflügelt.

Am nächsten Tag standen wir denn auch staunend vor der Haupthalle des Parlamentsgebäudes im Straßburger Europaviertel am Zusammenfluss von Ill und Rhein-Marne-Kanal. Es ist definitiv weit mehr als ein Zweckbau. Seine Architektur ist an politischen Symbolen orientiert, sie spiegelt die Grundidee des europäischen Einigungsprojektes und die Rolle der europäischen Volksvertretung wieder. Eine riesige bogenförmige Glasfassade umfasst die weithin sichtbare Kuppel des Plenarsaals und soll die Transparenz des Parlaments gegenüber uns europäischen Bürgern symbolisieren. Die etwa 700 Europaabgeordneten kommen hier zwölf Mal im Jahr zu Plenarsitzungen zusammen; weitere Arbeitsorte sind Brüssel und Luxemburg, jeweils vier und zwei Stunden entfernt. Nach einer Informationsführung zur Arbeit der Parlamentarier hatten wir Gelegenheit im Plenum auf den Besucherrängen eine Aussprache zur Koordinierung der Wirtschaftspolitik (vor allem Beschäftigung und Soziales) zu verfolgen sowie nach Ende der Debatte der Abstimmung zu verschiedenen Erklärungen beizuwohnen. Der exakt geplante Ablauf (1-2 Minuten Redezeit pro anwesenden Abgeordneten), die hochkonzentrierten Anforderungen (Handzeichen und elektronischen Vorgänge) sowie die rasante Geschwindigkeit der Abstimmungen hatten wohl jeden aus unserer Besuchergruppe beeindruckt.

Während der Sitzung hat uns Werner Kuhn ausführlichen Einblick in seine ganz persönliche Arbeit in Brüssel und Straßburg gegeben. Er allein präsentiert Mecklenburg-Vorpommern und ist als CDU-Mann in der Fraktion der Konservativen (EVP) des Parlaments organisiert. Konkret erläuterte er uns seine Tätigkeit in einzelnen Arbeitsausschüssen, speziell jenen für Fischerei sowie Verkehr und Tourismus. Auswirkungen europäischer Initiativen auf unser Bundesland diskutierten wir angeregt miteinander und über die Generationen hinweg. Draußen vor dem Parlament demonstrierte derweil die Europäische Bahngewerkschaft gegen Fehlentwicklungen im Transportsektor – hautnah bekamen wir einen Eindruck davon was es heißt, drinnen bei der politischen Arbeit sorgfältig abzuwägen und faire Kompromisse zur Sicherung einer wirtschaftlichen Entwicklung in Europa zu finden. Nach so viel „Europa“-Erlebnis führte uns am Nachmittag Francois Muller durch die Stadt, die heute Hauptstadt der Versöhnung des Kontinents nach den beiden Weltkriegen des letzten Jahrhunderts ist. Straßburg mit seinen 270.000 Einwohnern ist augenscheinlich ein selbstbewusstes Handels-, Wirtschafts- und Bildungszentrum in der Rheinebene. Sie zeigt sich vielfältig und hat von Entwicklung und Veränderung profitiert. Prachtvolles Fachwerk steht neben klassizistischen Palästen, viel Jugendstil aus der kurzen deutschen Epoche hat sich erhalten.Imposant gestaltete sich unser Gang durchs Straßburger Münster mit seinen Altären, Rosetten, Glasfenstern und der einzigartigen astronomischen Uhr mit Apostelprozession.

Den Abschluss unseres Rundganges bildete das bunte Fachwerkidyll im Ausgehviertel „Petit France“, Klein-Frankreich, im Delta der III-Kanäle. Für den elsässischen Käse und Feinkost blieb leider nur im Vorbeigehen Zeit, da eine Weinverkostung all unsere letzten Sinne in Anspruch nahm. Beim geselligen Abendessen hatten wir abschließend Gelegenheit, uns noch einmal mit Werner Kuhn auszutauschen und ihm persönlich für die Einladung an die Zentrale seiner vielen Wirkungsstätten zu bedanken. Für seine Arbeit in den Ausschüssen wünschten wir ihm alles Gute; Ende Mai tritt er erneut als Kandidat der CDU für Mecklenburg in Europa an. Dieser Ausflug nach Straßburg ins Europäische Parlament hat uns unsere und die mecklenburgische Perspektive auf Europa und das Bewusstsein für das europäische Miteinander geschärft. Dankbar über die gesammelten Eindrücke und das vermehrte Wissen sowie die Gelegenheit zur Reflektion fuhren wir heim. 

Gerd Pflüger (Heimatverein Linstow)



Nachlese 2013


Wenn Einer eine Reise tut, dann hat er zu erzählen. Der Heimatverein Linstow führte seine inzwischen 10. Bildungsreise durch. Wir wanderten auf den Spuren der deutschen Geschichte über Magdeburg, Quedlinburg, Wernigerode und Halberstadt in einer Zeit der ottonischen Kaiser und Gründer des Deutschen Reiches.

Im Magdeburger Dom begannen wir mit einer sehr interessanten Führung. Der Dom ist der erste gotische Kathedralbau auf deutschem Boden, Lieblingsresidenz und Grabstätte Otto des Großen und seiner ersten Frau Editha. Außer der bedeutenden Geschichte des Dom konnten wir auch das Magdeburger Ehrenmal von Ernst Barlach besichtigen, welches für die Gefallenen des ersten Weltkrieges errichtet wurde und schon bald von den Nazis 1934 zur entartenden Kunst zählte. Danach setzen wir unsere Reise fort und bezogen Quartier im Schloss Meisdorf einem Hotel von Van der Valk. Ein besonderer Dank gilt dem umsichtigen und freundlichen Busfahrer des van der Valk-Resort Linstow. Auch für die Gastfreundlichkeit im Hotel möchten wir uns an dieser Stelle bedanken.

Unsere Wanderung verlief aber nicht nur durch die Geschichte sondern wurde im Thalebecken am Fuße von Hexentanzplatz und Rosstrappe auch wörtlich genommen. Wer wollte ist auch zu Fuß zum Hexentanzplatz gelaufen. Danach wurde es wieder historisch, mit der Besichtigung der Stadt Quedlinburg. Herausragendes Ereignis war die Stiftskirche St. Servatii, eine der bedeutendsten romanischen Kirchen Deutschlands, Grabstätte Heinrich I. mit seiner Frau Mathilde. Heinrich I. residierte hier als erster König des Deutschen Reiches bis zu seinem Tod 936. 936 gründete seine Hinterbliebene Frau Mathilde dort eines der berühmtesten Frauenstifts Deutschlands, welches unter königlichen Schutz Otto I, Sohn Heinrich I. stand und durch baldige Beschenkung zu reichlicher Blüte kam. Daraus wuchs einer der wertvollsten Kirchenschätze der Gegenwart.

800 bis 1000 Jahre alte Gold- und Elfenbeinverzierte Reliquiengefäße formvollendet und sehr gut erhalten beeindrucken jeden Besucher. Interessant wie ein Krimi ist auch die Schilderung der Suche und Rückführung des zum Teil nach dem 2. Weltkrieg gestohlenen Kirchenschatzes. Er wurde 1992 für mehrere Millionen $ zurückgekauft. Ähnlich beeindruckend ist natürlich auch der Halberstädter Dom und Domschatz, den wir uns auf der Rückreise auch mit einer sehr guten Führung ansehen konnten. So konnten viele Mitreisende noch nie gesehene Kunstschätze und die Entstehungsgeschichte des Deutschen Reiches eindrucksvoll erleben und Anregungen für weitere Geschichtsforschungen erlangen oder aber das schon einmal gesehene in neuem Glanz und Vollständigkeit genießen. Abends saßen alle Vereinmitglieder zusammen um über das Gesehene sich auszutauschen und es wurde immer ein kleines Programm durchgeführt. Dabei wurde Musiziert, Gesungen, Wolhynische Rollenspiele durchgeführt, Plattdeutsche Läuschen und Riemels vorgelesen und herzlich und viel gelacht. Natürlich wurde auch über die erreichten Ziele des Vereins gesprochen über Lösungen und Aufgaben für weitere Planungen, wie beispielsweise das kommende Wolhynische Heimatfest, welches am 6. September 2014 stattfinden wird, und zu dem der Heimatverein wieder herzlich einlädt. Wir bedanken uns dafür bei den vielen Helfern und aktiven Mitgliedern des Heimatvereins Linstow.

Inzwischen hat auch die letzte offizielle Veranstaltung des Heimatvereins im Jahr 2013, die Weihnachtfeier mit Kaffee und selbstgebackenem Kuchen, stattgefunden. Bei dieser Gelegenheit konnte sich der Verein über den Beitritt neuer Mitglieder freuen. Durch den Vorsitzenden Johannes Herbst wurde auf die Aktivität des Vereinslebens hingewiesen und der Dank an alle aktiven Mitglieder ausgesprochen. Der Verein freut sich auf das kommende Jahr und ist sicher, die neuen Herausforderungen wieder gemeinsam zu meistern.

Gerhard Schmoock


Wie ein roter Faden zog sich diese Aussage in immer wieder abgewandelter Form durch diese Veranstaltung am ersten Septemberwochenende in Linstow. Flucht und Vertreibung, keine leeren Worthülsen, sondern Realität, erlebte Geschichte mit all den schönen und schmerzlichen Erinnerungen an schöne Zeiten in der Heimat, aber auch Erinnerungen an Not, Hunger, Angst und Tod, an Abschiednehmen. Und wer meint, Wolhynien ist Vergangenheit, aus und vorbei, der ist getäuscht.

Weit, weit in der Ferne liegt Wolhynien, der einfache und typische Holzwegweiser auf dem Museumsgelände zeigt in Richtung Heimat, und zeigt die Entfernung – 1854 km sind es bis nach Wolhynien (Shitomyr), und doch ist hier jetzt die Heimat so nah. Hier, an dem Ort, in dem nach dem letzten Weltkrieg 73 Familien aus Wolhynien eine neue Bleibe, eine neue Heimat fanden. Der Ort, der heute in so eindrucksvoller Weise mit seinem Museum an das Schicksal und die Geschichte der Wolhyniendeutschen erinnert, ihm einen neuen Standort gegeben hat. Hier wird die Vergangenheit nicht nur konserviert, nein – hier wacht sie auf und lebt. Erinnerungen brauchen Zukunft, und finden hier ihren Platz.

Freitag, 6. September 2013

Bis auf den letzten Platz war die Museumsscheune gefüllt, als um 19 Uhr die Mitglieder des Heimatvereins Linstow mit dem Wolhynienlied das diesjährige Fest eröffneten. Der Vorsitzende Johannes Herbst begrüßte die zahlreichen Gäste aus nah und fern, darunter die Ehrengäste: aus Berlin Frau Dr. Ursula Mechler, die stellvertretende Bundessprecherin der Landsmannschaft Weichsel-Warthe; aus dem Landtag Schwerin den stellvertretenden Fraktionsvorsitzenden der CDU, Herrn Torsten Renz, und aus Rivne in der Ukraine waren Frau Maria Konoschuk, Parlamentsabgeordnete, sowie Frau Tanya Kukharets vom Deutschen Haus zu Gast. In seiner Ansprache hielt er einen kurzen Rückblick auf die Veranstaltung zum 20-jährigen Jubiläum im vergangenen Jahr, die alle Erwartungen übertraf und dankte noch einmal allen Beteiligten, die zum Gelingen dieses Festes beigetragen haben. Gleichzeitig betonte er aber auch, wie schwierig es sein wird, die Museumsarbeit hier aufrecht zu erhalten. 

Das altersbedingte Ausscheiden von Vereinsmitgliedern, fehlender Nachwuchs sowie fehlende finanzielle Mittel, um das Museum mit einer Ganztagsstelle zu besetzen, sind Grund genug dafür, sich noch intensiver für diesen geschichtsträchtigen Standort einzusetzen.Wenn im vergangenen Jahr das 20.Museumsfest gefeiert wurde, so erläuterte Johannes Herbst, dann begeht man in diesem Jahr ein weiteres Jubiläum, denn erst nach der Museumseröffnung wurde damals der Heimatverein Linstow e.V. als Träger des Umsiedler Museums Wolhynien gegründet, also heute feiern wir 20 Jahre Heimatverein.

Damit war der Bogen gespannt, um in einem Filmvortrag von Jörg Borchardt noch einmal im Zeitraffer die Entstehungsgeschichte des Museums zu betrachten: Vom Abriss bedrohte Holzhäuser in wolhynischer Bauweise, Gesichter von inzwischen verstorbenen Gründungsmitgliedern, der erste Spatenstich, die Grundsteinlegung, Besuch von NDR und ZDF, sowie zahlreichen Politikern und Wissenschaftlern, die Erinnerungen ließen bei manch einem der Anwesenden eine kleine Träne kullern.Nach diesem Vortrag bat Johannes Herbst den neuen Vorsitzenden des Heimatkreisausschusses Wolhynien in der LWW, Herrn Walter Manz, um einen kurzen Filmvortrag einer Reise, die er im Juni mit dem Freundeskreis Moczulki/Matschulek nach Wolhynien organisiert hatte.

Einleitend hierzu stellte Walter Manz die Frage und gab dazu auch gleich die Antwort: „Wohin muss man reisen, damit es nicht so ist, wie es überall ist? – nach Wolhynien – und fügte ergänzend hinzu: nach Linstow. Wir wollen und dürfen nicht zulassen, dass die Geschichte unserer Vorfahren vergessen, mit einem Nebensatz abgetan wird, und dazu gibt es keinen authentischeren Ort als dieses Museum, das jährlich mit seinem Fest zum Besuchermagneten und Treffpunkt der Wolhyniendeutschen und ihrer Nachfahren geworden ist.“ Klingt es da nicht wie eine kleine Belohnung, als er weiter ausführte, welche Bedeutung diese Einrichtung nicht nur hier, sondern auch in der Ukraine hat? Im Sommer wurde eine kleine Abordnung der Reisegruppe vom stellvertretenden Gouverneur der Oblast Rivne eingeladen, der schon viel von diesem Museum erfahren und um eine Einladung nach Linstow gebeten hatte. Die anschließend gezeigten Reise-Impressionen standen unter dem Motto: Wolhynien ist gut, Wolhynien tut gut. Für unsere Augen, für unsere Ohren, für unsere Seele. Mit einem kleinen Imbiss und angeregten Gesprächen klang dieser Abend dann aus.

Samstag, 7. September 2013

Am Vormittag fand um 10 Uhr in der Museumsscheune ein Arbeitstreffen der mit Wolhynien befassten Vereine und Organisationen statt. Vom Heimatverein Linstow nahmen Herr Johannes Herbst, Frau Erika Werner und Herr Jörg Borchardt teil; dazu Frau Dr. Ursula Mechler und Frau Steiner (LWW); Herr Gerhard König (Vorsitzender Historischer Verein Wolhynien e.V.); Herr Pastor Oliver Behre (Obmann für Wolhynien im Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V.); und vom Heimatkreisausschuss Wolhynien Herr Walter Manz. Zuvor stellten sich den Anwesenden die Gäste aus Rivne/Ukraine vor. Frau Maria Konoschuk und Frau Tanya Kukharets zeigten sich von der Museumsarbeit sehr begeistert und legten in ihren Ausführungen dar, dass die Geschichte der Wolhyniendeutschen auch im Gebiet Rivne derzeit eine neue Akzeptanz erfährt, davon zeugt auch eine fast fertiggestellte Ausstellung in ukrainischer und deutscher Sprache, die dem Museum in nächster Zeit aus Rivne übergeben werden soll.

Mit den vielfältigen Eindrücken und neuen Kontakten seien durch diesen Besuch die Grundlagen für eine intensive gemeinsame Zusammenarbeit geschaffen worden, „...es ist unsere gemeinsame Geschichte, und dafür setzen auch wir uns ein.“  Bei strahlendem Sonnenschein konnte Johannes Herbst um 14 Uhr über 500 Besucher und Gäste begrüßen und für ihren Besuch danken, sie waren aus ganz Deutschland, Schweden, Brasilien und Polen angereist.Ein ganz besonderer Dank ging an die Justizministerin von Mecklenburg-Vorpommern, Frau Uta Maria Kuder, für ihren Besuch und dafür, dass sie in diesem Jahr die Schirmherrschaft für diese Veranstaltung sowie die Ausstellung des Heimatvereins Linstow „Deutsche in der Ukraine/Wolhynien“ in der Landesbibliothek Schwerin im Sommer diesen Jahres übernommen hat.

Herzliche Willkommensgrüße gingen auch an die Ehrengäste, Herrn Torsten Renz, den stellvertretenden CDU- Fraktionsvorsitzenden im Landtag von Schwerin; an Frau Dr. Ursula Mechler aus Berlin, die stellvertretende Bundessprecherin der LWW; an den Bürgermeister der Gemeinde Dobbin-Linstow, Herrn Wilfried Baldermann; an den Referenten der Landeszentrale für politische Bildung aus Schwerin, Herrn Christian Kuhn; an den Vorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien e.V., Herrn Gerhard König; an den Obmann im Hilfskomitee, Herrn Pastor Oliver Behre; an Frau Gabriele Strübing, der Geschichtslehrerin an der Regionalschule Krakow am See, an die Gäste aus der Ukraine und Herrn Walter Manz, Heimatkreisausschuss Wolhynien.In seiner Begrüßung dankte Johannes Herbst allen Besuchern für ihre Treue, an diesem Ort dem Schicksal der Vorfahren zu gedenken, diesem Standort, der sich gleichzeitig als außerschulische Bildungsstätte präsentiert und durch die Vermittlung der historischen Ereignisse zur Aufklärung gegen Extremismus und Fremdenfeindlichkeit beiträgt.
Sein besonderer Dank galt den 17 Gründungsmitgliedern des Vereins, von denen noch 12 hier anwesend waren, sie ahnten vor 20 Jahren vielleicht schon, zumindest aber hofften sie es, welch hohen Stellenwert ihre Arbeit einmal haben wird.

In seinen weiteren Ausführungen appellierte Herr Herbst besonders an die jungen Generationen, das Wandern, die Migration, von Menschen auf der Suche nach einer friedlicheren Welt, nach guten Lebens- und Arbeitsbedingungen für Jeden, als normalen Bestandteil des Lebens anzusehen. Für ein friedliches Zusammenwachsen Europas betonte er es so: „... unsere Wolhynier waren u.a. die ersten Europäer, die in friedlicher Absicht auswanderten, nicht – um zu erobern!“In einer Schweigeminute gedachte man den Verstorbenen, Herrn Ewald Ölke, dem unermüdlichen Helfer, Herrn Pastor Sigurd Havemann sowie der wolhynischen Heimatdichterin Erna Wolz. Mit einem Dank für ihre Initiative, sich für die Einrichtung eines Gedenktages für Vertriebene einzusetzen und dem Versprechen, sie dabei zu unterstützen, übergab Johannes Herbst dann das Wort an die Justizministerin, Frau Eva Maria Kuder.

In ihrer Begrüßung, verbunden mit den Glückwünschen der Landesregierung, betonte die Ministerin den hohen Stellenwert des Vereins, „... seit über zwanzig Jahren unterhalten Sie nunmehr mit dem Wolhynier-Museum eine bundesweit einzigartige Kultur- und Begegnungsstätte, damit leisten Sie eine Arbeit von unschätzbarem Wert. Ich freue mich sehr, dass hier in Linstow mit diesem Museum ein Ort geschaffen wurde, der das Leben und die Kultur der Wolhyniendeutschen für die Zukunft in so anschaulicher Weise dokumentiert. Mit Ihren sehenswerten Ausstellungen und Kulturfesten, erlebnisreichen Studienreisen und Ihren kreativen Projekten leisten Sie einen weiteren unverzichtbaren Beitrag zur Aufarbeitung unserer deutschen Geschichte“, so die Ministerin weiter. Einen ganz besonderen Dank sprach sie den Mitgliedern des Linstower Heimatvereins aus, die sich mit ihrer ehrenamtlichen Arbeit der Bildungsarbeit und der Verständigung über die Grenzen hinweg verschrieben haben. Zum Ende ihrer Rede übergab sie als Zeichen der Wertschätzung einen Förderbescheid im Rahmen der Kulturarbeit nach dem Bundes- Vertriebenengesetz mit den Worten „... wenn ich in die Runde schaue, mir dieses schöne Fest und seine weitgereisten Gäste anschaue, weiß ich, dass dieses Geld nicht besser angelegt sein könnte. Mit Ihrer aller Einsatz und Ihrem Ideenreichtum wird es auch in Zukunft gelingen, diese wichtige Arbeit fortzusetzen ...“

Aus familiären Gründen konnte der Bundestagsabgeordnete, Herr Eckhardt Rehberg, an diesem Fest leider nicht teilnehmen.
Seine Grußworte verlas der Landtagsabgeordnete, Herr Torsten Renz, in denen es u.a. hieß: „... mit der Einrichtung des Museums haben Sie erstmals in den neuen Bundesländern eine Begegnungsstätte geschaffen, in der Vertriebene und Flüchtlinge aus Osteuropa ihre Erlebnisse und Erfahrungen thematisieren können ..., die Projekte, die allesamt mit viel Herzblut von Ihnen ehrenamtlich initiiert und durchgeführt werden, reichen weit über eine reine Museumsarbeit hinaus, Ihr Konzept ist einzigartig. Sie leisten eine wichtige Kultur- und Bildungsarbeit und bereichern das Leben des Dorfes und der Region, Ihr ehrenamtliches Engagement ist unersetzbar und beispielgebend.“
Seine persönliche Begrüßung begann Herr Torsten Renz mit dem Leitgedanken: „Du kannst dir ein neues Haus kaufen, aber keine neue Heimat.“

Damit verband er das Schicksal der Wolhyniendeutschen durch Flucht und Vertreibung mit dem persönlichen Schicksal in seiner eigenen Familie, dem seines Großvaters: in Wolhynien geboren, von dort 1915 in der Hoffnung auf ein neues Zuhause nach Ostpreußen geflüchtet, erneute Vertreibung, Gefangenschaft in Sibirien, und wieder Flucht, um letztendlich in Mecklenburg-Vorpommern sein letztes Zuhause zu finden. „Wir alle sind in der Pflicht, diese Schicksale, diese Geschichte weiterzugeben, damit diese sich nicht wiederholt. Deshalb müssen wir auch heute rechtsradikalen Bestrebungen entschlossen entgegentreten. Diese Geschichte zu verdrängen oder wie in der DDR totzuschweigen, hilft niemandem, mit diesem gemeinsamen Schicksal sind wir alle aufgefordert, an einem friedlichen Europa mit zu bauen.
Mit unserem gemeinsamen Engagement zeigen wir den heutigen Generationen: Heimat ist dort, wo wir geboren und aufgewachsen sind, dann soll jeder frei entscheiden, wo sein zu Hause ist. In diesem Sinne danke ich allen, die die Aufarbeitung der Geschichte hier in Linstow mit ihrem Ehrenamt unterstützen.“

Herr Wilfried Baldermann überbrachte mit seinen Grußworten die besten Wünsche der Gemeindevertretung Dobbin-Linstow, er dankte allen Vereinsmitgliedern für ihre großartige Arbeit in den vergangenen 20 Jahren und sicherte dem Verein auch weiterhin seine volle Unterstützung zu. Stellvertretend überbrachte Frau Dr. Mechler aus Berlin die Grüße des Bundessprechers der LWW, Dr. Martin Sprungala, und bedankte sich für die Einladung, sie wünschte dem Verein für die Zukunft auch weiterhin viel Erfolg sowie der Veranstaltung einen guten Verlauf.In seinen Grußworten betonte Pastor Oliver Behre, dass Menschsein zur Migration gehört und wir begreifen müssen, dass seit Adam und Eva wir Menschen auf dem Weg zum verlorenen Paradies sind, so wie die Vorfahren sich auf den Weg nach Wolhynien begeben, es dort gesucht und für kurze Zeit gefunden haben. Die Geschichtslehrerin Frau Gabriele Strübing berichtete von ihren zahlreichen Projekten hier im Museum, ihrer Arbeit mit den Schülerinnen und Schülern der Regionalschule Krakow, hier im Museum erleben sie auf ganz spannende Weise „Geschichte zum Anfassen“, werden so an das Thema Flucht und Vertreibung sowie deren Ursachen herangeführt.Gemeinsam mit den beiden Gästen aus der Ukraine begrüßte Walter Manz die Besucher, er bedankte sich noch einmal ganz herzlich bei Frau Ministerin Kuder und dem Abgeordneten Torsten Renz für den einen Tag zuvor stattgefunden Empfang im Landtag von Schwerin.

In den Gesprächen war ihm eine Aussage der Ministerin ganz besonders wichtig „... für das Zusammenwachsen, den Zusammenhalt Europas müssen die Menschen sich näher kommen, sich kennenlernen ...“ ist in Linstow an diesem Wochenende hierfür nicht eine ganz besondere Gelegenheit? Frau Maria Konoschuk und Tatyana Kukharets überbrachten die besten Grüße und Glückwünsche des stellvertretenden Gouverneurs der Oblast Rivne, Herrn Oleksej Gubanov. Er bedankte sich für die Einladung und bedauerte es sehr, aus terminlichen Gründen leider hier nicht teilnehmen zu können, sagte aber seinen Besuch bereits für das nächste Jahr zu. In ihren Ansprachen führten sie weiterhin aus, in Rivne/Wolhynien zum Erhalt und der Weiterentwicklung dieser historischen und kulturellen Identität beizutragen, und auf Basis unserer gemeinsamen Geschichte die persönlichen Begegnungen in Linstow und der Ukraine zwischen Deutschen und Ukrainern zu fördern, sie fahren mit ganz konkreten Vorhaben zurück und wollen gemeinsam mit dem Museum in Linstow die wolhyniendeutsche Geschichte einer breiten Öffentlichkeit in ihrer Heimat bekannt machen. „Hierzu laden wir Sie alle ganz herzlich nach Wolhynien ein!“Ein kleines Beispiel, wie international es an diesem Wochenende hier in Linstow zuging: Die in ukrainischer Sprache übermittelten Grußworte von Maria Konoschuk wurden von Eduard Bütow ins Deutsche übersetzt, die in englischer Sprache gehaltenen Grüße von Tatyana Kukharets übersetzte Herr Olsson aus Schweden ins Deutsche.

Beim anschließenden Kaffeetrinken mit dem selbstgebackenen Kuchen ergaben sich für die Besucher vielfältige Möglichkeiten zum Gedankenaustausch, in der Bildungsscheune war entsprechende Literatur über Wolhynien zu erwerben, im Museum hatten die Besucher bei den Familienforschern, Frau Regina Steffensen und Herrn Manfred Klatt die Möglichkeit, gezielt nach ihren Vorfahren zu suchen.Es gehört schon zur Tradition, dass die Gesangsgruppe „Regenbogen“ dieses Fest und seine Besucher in ihren Bann zieht, die sechs Damen aus Güstrow untermalten mit ihrem inhaltsreichen Gesang dieses Fest, mit ihrem Repertoire, halt so bunt wie ein Regenbogen, begeisterten sie die Gäste.Kurz unterbrochen wurde diese Darbietung jedoch durch ein Ereignis mit großer Symbolkraft.

Aus Berlin war der Botschafter der Ukraine in Deutschland, Herr Pavlo Klimkin angereist, begleitet von Frau Iryna Petrunko, Kulturattacheè. In seiner Begrüßungsrede bedankte sich der Botschafter bei Johannes Herbst und Walter Manz für die Einladung, die er erst fünf Tage zuvor erhalten hatte und zugeben musste, bis dato nicht gewusst zu haben, dass es hier ein solches Museum gibt. Umso herzlicher betonte er in seinen Ausführungen seine Begeisterung für diese Einrichtung, sieht er hier doch die Möglichkeit, neue Wege zu gehen zwischen alter und neuer Heimat, zwischen Deutschland und der Ukraine, das gemeinsame Wolhynien mit seiner in Jahrhunderten gewachsenen Bevölkerung, mit unterschiedlichsten Kulturen und Sprachen und dem fast legendären Ruf eines ‚Vielvölkerstaates‘ als Beispiel für ein zusammenwachsendes Europa. „Ich unterstütze Sie gerne, von hier aus kann man länderübergreifende Partnerschaften mit Leben erfüllen,“ betonte Herr Botschafter Klimkin, „... und völkerverbindende Brücken schlagen ...“ ergänzte Frau Ministerin Kuder, darauf reichten sich beide am Rednerpult die Hand.(Bild 9)Es folgten zahlreiche Gespräche mit Besuchern, ein gemeinsamer Rundgang mit Johannes Herbst durch die gesamten Museumsanlagen sowie gemeinsam mit Frau Ministerin Kuder der Eintrag ins Gästebuch.„Am Gartenzaun“ erwarteten die Besucher natürlich wieder mit Spannung das Gespräch zwischen Emil und Milscha, alias Ernst Reimann und Erika Groß, zur Freude der Besucher in wolhynischer Mundart, die Textbeiträge stammten wie immer aus der Feder von Brigitte Schönfelder.Die Tanzeinlagen des jungen wolhynischen Nachwuchs-Balletts sorgten für Kurzweil bis in den Abend hinein. 

Sonntag, 8. September 2013

Den schon traditionellen wolhynischen Heimatgottesdienst in der schönen Backsteinkirche von Linstow-Kieth am Sonntagmorgen gestalteten gemeinsam Herr Pfarrer Reeps aus Krakow am See und Herr Pastor Oliver Behre aus Zwochau mit seiner Predigt.
Vom Männergesangverein Laage sowie dem örtlichen Posaunenchor wurde dieser feierliche Gottesdienst umrahmt. In einer Gedenkminute gedachte man den Verstorbenen: der Heimatdichterin Erna Wolz, dem langjährigen Vereinsmitglied Herrn Pastor Havemann aus Krakow, dem Vereinsmitglied Herrn Ewald Ölke und Herrn Pastor Sichler, dem langjährigen Vorsitzenden des Hilfskomitees der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen e.V. Beim anschließenden Mittagessen auf dem Museumsgelände wurden die intensiven Gespräche fortgesetzt, untermalt von vertrauten Weisen des Männergesangsvereins Laage.Und so ganz langsam löste sich die Veranstaltung dann auf, Herr Pastor Oliver Behre erteilte allen Besuchern den Reise-Segen, die beiden Damen aus der Ukraine verabschiedeten sich mit dem Gesang der „kleinen wolhynischen Nationalhymne – Wolhyn moja“, viele Besucher stimmten in diese Melodie mit ein, und dann war dieses Fest zu Ende. Eine schöne und gelungene Veranstaltung, das war der Tenor der Besucher – und auf das 22. Museumsfest 2014 darf man bereits jetzt schon gespannt sein.

Es findet mit einigen Überraschungen vom 5. bis 7. September 2014 statt. Danke an alle Besucherinnen und Besucher aus nah und fern.
Und ein besonderer Dank an all die vielen freiwilligen Helferinnen und Helfer des Heimatvereins Linstow, ohne die diese Veranstaltung so nicht stattfinden konnte, genauso an die Mitglieder der Feuerwehr und den Gemeindearbeitern. Ein ganz großes Lob und danke nochmals an diejenigen Damen des Vereins, die mit ihren Koch- und Backkünsten die Gaumen erfreuten.An dieser Stelle noch eine ganz persönliche Anmerkung: Seit fast einem Jahr arbeite ich, auch als Mitglied im Heimatverein, ganz intensiv mit Herrn Johannes Herbst zusammen. In dieser Zeit konnte ich erleben, wie zielsicher er um den Fortbestand dieses Vereins bedacht ist, sich trotz seiner langwierigen Krankheit immer wieder selbst „vor die Karre spannt“ um damit zu signalisieren: es geht vorwärts.

In seiner unvergleichlichen Art hat er im Laufe seiner Amtszeit unzählige wichtige Kontakte zur Politik, öffentlichen Einrichtungen und der Presse hergestellt, die für diese Einrichtung von immensem Wert sind, auch ich durfte diese Kontakte für meine Arbeit in anderen Gremien bereits nutzen, dafür Danke. Sein Wahlspruch, abgeleitet von einer Inschrift am Rathaus in Lindau am Bodensee, lautet: „Durch Eintracht werden kleine Dinge groß, durch Zwietracht wird man große Dinge los“. In diesem Sinne mein Wunsch an alle, die diese Zeilen lesen: Lassen Sie uns gemeinsam daran mitwirken, dass Wolhynien, die Heimat unserer Vorfahren, in Linstow nicht vergessen wird.

Das 21. Museumsfest 2013 wurde finanziell unterstützt und gefördert vom Justizministerium Mecklenburg-Vorpommern; der Landeszentrale für Politische Bildung Schwerin; aus dem Etat des BKM durch das Kulturreferat für Westpreußen, Posener Land, Mittelpolen, Wolhynien und Galizien; von der Gemeinde Dobbin-Linstow sowie zahlreichen Spendern und Sponsoren. Hierfür an alle im Namen des Heimatvereins Linstow ein ganz herzlicher Dank.

Walter Manz – Heimatkreisausschuss Wolhynien


25.05. bis 26.05.2013




Das Kulturreferat veranstaltete im Rahmen der Kooperation mit dem Wolhynier-Umsiedlermuseum und der Schule Krakow am See in Linstow im März ein Projekt, dass sich mit den verschiedensten Themen rund um das Mittelalter beschäftigte.

Ziel war es, den Schülern ein Bewusstsein für die Zeit vor rund 800 Jahren zu vermitteln und ihnen die kulturellen Unterschiede zu unserer heutigen Zeit nahezubringen. Die Assistenten der Kulturreferentin bereiteten hierfür einige auf die Kinder zugeschnittene Vorträge vor. Als Einleitung diente eine Einführung zum Thema „Das Leben auf der Burg“, verknüpft mit dem Rittertum und dem Alltag der Menschen der verschiedenen Stände.

Die dadurch vermittelten moralischen Werte der Zeit, die durch künstlerische Darstellungen symbolisiert wurden, dienten als Vorlage für die anschließende Gestaltung von eigenen Wappen, die jeder Schüler für sich persönlich frei Gestalten konnte, um zum Ausdruck zu bringen was für sie im Leben von Bedeutung ist. Der Reihe nach stellten die Kinder ihre Arbeiten vor und erklärten was sie mit ihrem Wappen zum Ausdruck bringen wollen. Im Anschluss an diese kreative Phase folgte ein weiterer Beitrag, der sich mit dem Thema des Essens und Trinkens im Mittelalter beschäftigte.

Dieser Vortrag, der von den Schülern mit großem Interesse aufgenommen wurde, behandelte zum einen die gängigen, von den Menschen des unteren Standes verzehrten Lebensmittel, und zum anderen die dahinterstehende Arbeit und Tradition.

Damit die Schüler sich ein besseres Bild von den damaligen Mahlzeiten machen zu können, wurde ihnen in der anstehenden Mittagspause ein in der Zwischenzeit von der Klassenlehrerin Frau Strübing und Mitarbeiterin des Museum, Frau Lengning, vorbereitetes „mittelalterliches“ Mal serviert, das aus Haferbrei, Eintopf, Brot und Säften nach traditioneller Herstellung bestand. Die in dieser Form heute kaum noch verzehrten Lebensmittel stießen bei den zunächst sehr skeptischen Kindern auf eine überraschend positive Aufnahme. Nachdem die Schüler die Möglichkeit hatten sich das Museumsgelände anzusehen, folgte eine kurze Einführung in die Kunst des Mittelalters, die sich auf die vor allem auf die gotischen Sakralbauten und die dahinterstehenden liturgischen Zusammenhänge konzentrierte.

Die für die Architektur wichtigen Maßwerkfenster, die bis heute die herausragenden Aushängeschilder der Baukunst jener Zeit sind, bildeten die Vorlage für die anschließende Gruppenarbeit, in der sich die Schüler ihr eigenes Kirchenfenster gestalten sollten. Die vorab mitgebrachten Materialien nutzten die Kinder um ihrer Kreativität freien Lauf zu lassen. Als Inspiration dienten mit einem Beamer an die Wand projiezierte Beispiele solcher Werke wie die Marienkirche in Danzig, Chartre, Reims und Saint-Denis.
Die fertiggestellten Arbeiten bildeten einen erfolgreichen Abschluss und schöne Erinnerungen, die heute die Klasse in ihrer Schule schmücken.


Nachlese 2012


In diesem Jahr hat das Museumsfest alle Erwartungen übertroffen. Gefördert wurde das Museumsfest vom Jusizministerium Schwerin, von der Landeszentrale für politische Bildung Schwerin, von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus dem Etat der Kulturreferentin für Wolhynien Magdalena Oxfort M.A. und vom Historischen Verein Wolhynien e. V.

Das mecklenburgische Linstow galt seit 1945 in der Region als „Klein-Rußland“, weil hier im Rahmen der Bodenreform 73  Flüchtlingsfamilien aus Wolhynien angesiedelt wurden, die ihre Häuser nach alter wolhynischer Tradition erbauten. Jede Familie erhielt damals zehn Hektar Land zur eigenen Bewirtschaftung. Die Eigenständigkeit endete etappenweise mit der anfänglichen Enteignung, mit der Kollektivierung durch die LPG im Jahr 1960 und der endgültigen Enteignung im Jahr 1974 mit der Errichtung eines großen landwirtschaftlichen Kombinats, der nicht nur nach und nach alle umliegenden LPGs (landwirtschaftliche Produktionsgenossenschaften) verschlang. Die Folge war, daß es für junge Menschen keine Arbeitsplätze mehr gab und viele abwanderten. Bei der Wende 1989 waren viele Häuser in Linstow bereits dem Verfall preisgegeben. Der erste Bürgermeister nach der Wende Johannes Herbst, der selber nicht aus der Region stammte und auch nicht aus Wolhynien erkannte die Besonderheit dieses Ortes und nahm sich ihrer an. Das 1947 gebaute Haus der Familie Altmann sollte erhalten bleiben und seit 1990 bemühte sich ein zu diesem Zwecke gegründeter Heimatverein Linstow e.V. um die Restaurierung und Umwandlung in ein Museum. Am 6.8.1993 war es dann soweit. Das Wolhynische Umsiedlermuseum wurde feierlich mit einem (ersten) Museumsfest eröffnet. Alle Mitstreiter der ersten Stunde bekundeten, daß sie nie gedacht hätten, daß dieses Projekt einmal 20 Jahre überdauern und so gut erweitert werden könnte.

Kulturprogramm

Das Wolhynische Umsiedlermuseum lud zum 20. Museumsfest nach Linstow ein und der Besucherstrom war überwältigend. Aus der gesamten Republik, sogar vom Bodensee, und Schweden her reisten die Gäste an. Bereits am Freitagabend um 18:30 Uhr fand eine Eröffnungsveranstaltung in der Bildungsscheune statt. Der Raum war bis zum allerletzten Platz ausgefüllt. Bewegt dankte der Museumsleiter Johannes Herbst den Gästen für ihr Erscheinen und begrüßte die Ehrengäste, darunter Vertreter aus Politik und Kultur. U.a. konnte er den stellvertretenden Vorsitzenden der mecklenburg-vorpommerschen CDU-Landtagsfraktion und Mitglied des Güstrower Kreistags Torsten Renz und Jörn Mothes, Referatsleiter vom Bildungsministerium Mecklenburg/ Vorpommern begrüßen. Aus der Ukraine, aus Wolhynien, war eine Delegation unter der Leitung von Dr. Mychajlo Kostiuk, Kiew, angereist. Ebenfalls begrüßen konnte der Vorsitzende den Bundessprecher der Landsmannschaft Weichsel-Warthe Dr. Martin Sprungala, Dortmund, und die Kulturreferentin (BKM) Magdalena Oxfort, Münster.

Untermalt wurde die Veranstaltung durch die Gesangsgruppe „Regenbogen“ aus Güstrow, die inhaltsreiche moderne Lieder vortrug. Der Leiter der Gruppe hatte diese z. T. englischsprachigen Lieder von z. B. Michael Jackson und John Lennon ins Deutsche übersetzt. Anschließend berichteten Mitglieder und Freunde des Museumsvereins über ihre Erinnerungen und Erfahrungen über die Aufbauarbeit. Johannes Herbst äußerte, es sei nicht alles reine Freude gewesen, was sein damaliger stellvertretender Bürgermeister, Jörg Borchardt, noch durch Ausführungen über Problemen in der Gemeindevertretung der 90er Jahre ergänzte. Viele Linstower hätten gerade in der Wendezeit, die von Arbeitslosigkeit und Zukunftssorgen geprägt war, nicht einsehen wollen und können, daß dieses Geld für die Erinnerungs- und Erlebniskultur gut angelegt war. Aber es war auch eine Zeit des Aufbruchs und der Möglichkeiten, wie aus den Worten der folgenden Redner herauszuhören war. Ernst Reimann, ein wolhynisches Urgesteine, gab unumwunden zu, daß er anfangs sehr skeptisch war, zumal da Nicht-Wolhynier tätig wurde. Rasch wurde er eines Besseren belehrt und zählt seither zu den Stützen der Arbeit im Museum. Weitere Erfahrungsberichte lieferten Ingrid Wagner und die seit 2002 als Kooperationspartner tätige Lehrerin Gabriele Strübing, die mit ihren Schulklassen regelmäßig Projekte mit dem Museum unternimmt.

Nach dem offiziellen Teil wurde ein Imbiß gereicht und die von Dr. Sprungala überarbeitete Wanderausstellung des Museum eröffnet. Natürlich war auch Zeit für viele Gespräche. Den Abschluß der sehr gelungenen Veranstaltung bildete eine erste musikalische Darbietung der drei Damen des Bandura-Ensembles und Chors „Leliya“.

Arbeitsgespräch der mit Wolhynien beschäftigen Vereine

Vor Beginn des eigentlichen Museumsfestes hatte Herr Herbst die anwesenden Vertreter der mit Wolhynien beschäftigten und befreundeten Vereine zu einem Arbeitsgespräch eingeladen. Anwesend waren für das Museum Johannes Herbst, Ingrid Wagner und Eduard Bütow, für den Historischen Verein Wolhynien Walter Manz, für das Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen aus Polen Pastor Oliver Behre, für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe Dr. Martin Sprungala und als Vertreter des Vereins der Bugholendry e. V. (siehe Informationsgespräch mit ihnen in WW 5/2012) ihr Vorsitzender Karl-Heinz Hüneburg, sein Stellvertreter Torsten Kuhle und der Schatzmeister Jens Ryl. Herr Herbst berichtete, daß sie vor einigen Monaten einen wissenschaftlichen Beirat mit der Uni Rostock gegründet hätten. Es wurde vereinbart eine gemeinsame Plattform zu schaffen. Dr. Sprungala wies darauf hin, daß es diese schon durch den „Heimatkreisausschuß Wolhynien“ in der Landsmannschaft Weichsel-Warthe gebe. Alle waren damit einverstanden, in diesem Gremium mitzuwirken und werden sich diesbezüglich an Erhard Betker wenden. Weitere gemeinsame Treffen wurden als sinnvoll angesehen und vereinbart.

Das Museumsfest: Ansprachen und Darbietungen

Um 13 Uhr eröffnete Johannes Herbst das 20. Museumsfest mit seiner Ansprache und der anschließenden Totenehrung. Immer wieder erinnerte er gerade die anwesenden Vertreter der Politik daran, daß so eine vielschichtige und große Arbeit auf Dauer nicht mehr nur mit ehrenamtlichen Mitgliedern geleistet werden kann. Es folgte das Grußwort des Bürgermeisters und Amtsvorstehers der Gemeinde Dobbin-Linstow Wilfried Baldermann, der die Arbeit der Wolhynier hier in Linstow lobte und bekundete, sich stets für das Museum einzusetzen. Der stellvertretende Landrat des Kreises Rostock, Dr. Rainer Boldt, überbrachte die Grüße des Landkreises und kündigte an, seinem ersten Besuch beim Museumsfest weitere folgen zu lassen, da ihm die hier geleistete Arbeit sehr zusage. Anschließend sprach der Europaabgeordnete der Region, Werner Kuhn. Er bekundete selber zu den Nachkommen der Vertriebenen zu gehören und lobte die Arbeit des Museums, das helfe, eine neue Heimat zu stiften und forderte zur Fortsetzung der Arbeit auf, die ganz im Sinne eines geeinten Europas ist.

In seinem Grußwort unterschied der Bundestagsabgeordnete dieser Region, Eckhardt Rehberg, zwischen Heimat und Zuhause. Auch er gehöre den Nachkommen von Vertriebenen an. Der Vater stammte aus Ostpreußen, die Mutter aus dem Sudetenland, doch keiner von ihnen hätte ein derart wechselvolles und hartes Schicksal erlitten wie die Wolhyniendeutschen. Auch die Kulturreferentin (BKM) Oxfort bat J. Herbst um ein Grußwort, ehe dann die ukrainischen Gäste zu Wort kamen. Dr. Mychajlo Kostiuk bekundete stellvertretend für alle aus der Ukraine angereisten, daß er sich hier wie zuhause fühle, es sei ein Stück Heimat in der Fremde und er begrüßte seine wolhynischen Landsleute ganz herzlich. Auch Lena Gribok, die Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Luzk, nutzte die Gelegenheit sich persönlich für die herzliche Aufnahme zu bedanken. Angesichts der fortgeschrittenen Zeit mußte J. Herbst die Runde der Grußworte abbrechen, obwohl noch mehrere vorgesehen waren und bat abschließend den aus Wiesentheid angereisten, gesundheitlich stark angeschlagenen Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Nikolaus Arndt um sein Grußwort, das er engagiert mit viel Lob für die geleistete Arbeit vortrug. Anschließend übergab er J. Herbst mehrere Exponate für das Museum.

Im Anschluß an das Kaffeetrinken folgte eine Aufführung der Geschichte der Wolhyniendeutschen. Dargestellt wurden einige wesentlichen Etappen der Besiedlung Wolhyniens, beginnend mit der Ansiedlung deutscher Bauern, über die Verbannung im 1. Weltkrieg, demFrieden von Riga (1921) mit seinen Folgen, der Stalin-Hitler Pakt (1939) mit dem Ausbruch des 2. Weltkriegs, der Umsiedlung (1939/40), Flucht und Vertreibung (nach 1945), die Bodenreform, die Entwicklung in der DDR bis zur vollständigen Enteignung (1974) und der Wende (1989). Die sehr realistisch mit Pistolenschüssen, Pferden und Wagen dargestellte Szenerie bewegte vor allem viele, die diese dramatischen Ereignisse des 20. Jahrhunderts selbst miterlebt hatten, zu Tränen und waren für die Nachgeborenen sehr anschaulich. Auch die Ukrainerinnen gaben ein weiteres Konzert bestehend aus ukrainischen und deutschen Liedern. Zu erwähnen sei noch, daß neben der Presse auch ein Filmteam aus Berlin anwesend war, das einen senderunabhängigen Film produziert, der dann allen zur Verfügung gestellt wird. Über das Museumsfest soll eine Reportage entstehen.

Am Abend dieses ereignisreichen Tages bat Johannes Herbst Ministerialrat Ulrich Hojczyk aus dem Mecklenburg-Vorpommerschen Justizministerium um einige Worte. Aus seinem Etat hatte er dem Museum einen Scheck in Höhe von 5.000 € mitgebracht. Er bekundete die Bedeutung dieser Einrichtung, denn 37 % der Landesbewohner haben einen sog. Vertriebenenhintergrund. Abschließend betonte Dr. Sprungala, daß die betont „nicht chauvinistische Haltung“ der Wolhyniendeutschen typisch für die Landsmannschaft Weichsel-Warthe (LWW) sei. Sie hätte 1950 die Charta der Deutschen Heimatvertriebenen mit getragen und seither stets den europäischen Gedanken hoch gehalten. Bereits 1961, noch vor dem Mauerbau, hatte sich die LWW den Leitspruch „Brücke der Verständigung“ gegeben. Eine Mitarbeiterin der evangelischen Kirche in Luzk, nutzte die Gelegenheit sich persönlich für die herzliche Aufnahme zu bedanken. Abschließend bat Johannes Herbst den aus Wiesentheid angereisten, gesundheitlich stark angeschlagenen Ehrenvorsitzenden des Historischen Vereins Wolhynien Nikolaus Arndt um sein Grußwort, das er engagiert mit viel Lob für die geleistete Arbeit vortrug. Anschließend übergab er Johannes Herbst mehrere Exponate für das Museum.

Am Sonntag, dem 2.9.2012, wurde in der Kirche zu Kieth der Heimatgottesdienst gefeiert. Der örtliche Pastor, Christoph Reeps, und Oliver Behre, Zwochau, Obmann für die Wolhyniendeutschen im Hilfskomitee der evangelisch-lutherischen Deutschen in Polen zelebrierten die Messe, die von Gesangsdarbietungen des Männerchors Laage und der ukrainischen Bandura-Band Leliya untermalt wurde. Mit einem gemeinsamen Essen aus der Gulaschkanone endete das 20. Linstower Museumsfest.

Dr. Martin Sprungala

Hier noch ein ganz persönlicher Bericht von Herrn Liebscher, einem Besucher des Museumsfestes 2012 als PDF-Datei


Zu dem geselligen Nachmittag gabt es wie immer Kaffee und Kuchen. Herr Dr. Sprungala, Vorsitzender der Landsmannschaft Weichsel-Warthe hielt einen kurzen Vortrag. Kinder des Patenkindergartens Krakow am See führten ein kleines Programm auf.


15.03. bis 16.03.2012

Auf Einladung vom Abgeordneten Herrn Eckhard Rehberg (CDU) fuhren Mitglieder des Heimatvereins Linstow, Schüler der Realschule Krakow am See und andere Interessierte vom 15. – 16.3.2012 nach Berlin. Nach Ankunft und Hotel-Check-in waren wir gegen Mittag mit Herrn Jesko von Samson, dem persönlichen Referenten des Staatsministers für Kultur und Medien Bernd Neumann, zu einem Gespräch eingeladen. Eine interessante Führung im Bundeskanzleramt in der Willy-Brandt-Str. 1 schloss sich daran an. Nach dem Abendessen ging es ins Theater am Potsdamer Platz. Wir hatten Karten für das Musical „Hinterm Horizont“ gebucht. Ein ganz tolles Musical mit viel Musik von Udo Lindenberg hatte nicht nur die jüngeren Mitreisenden begeistert.

Am nächsten Tag stand uns Herr Rehberg (MdB) im Paul-Löbe-Haus in der Konrad-Adenauer-Straße Rede und Antwort. Danach schloss sich ein Fototermin im Reichstagsgebäude auf der Dachterrasse an. Auch die Kuppel des Reichstagsgebäudes konnten wir besichtigen. Am Nachmittag führte uns ein Stadtführer an politischen Punkten orientiert durch die Bundeshauptstadt. Danach konnten wir die Dauerausstellung „Tränenpalast“ am Reichstagsufer besichtigen. Auch hier wurden wir professionell durch die beeindruckende Ausstellung geführt. Wir bedanken uns bei Herrn Rehberg, dass er uns diese interessante Fahrt ermöglicht hat.

i.A.Christiane Lengnink
Heimatverein Linstow e. V
.


Zwar werden in einer Jahresversammlung des wolhynischen Heimatvereins fällige Tagesordnungspunkte abgehandelt, aber das muss keine trockene Angelegenheit sein. Am Nachmittag des 25. Februars 2012 zog verlockender Kuchenduft durch den Saal des Museums in Linstow, als Johannes Herbst die Teilnehmer begrüßte. In der Rückbesinnung auf das vergangene Jahr erinnerte man sich an gemeinsame Unternehmungen, z. B. an die Museumstour unter dem Motto „Vom Korn zum Brot“, an die Saisoneröffnung mit Wandertag, an das nachhaltige Erlebnis der Fahrt in die Ukraine zu den Heimatkolonien (d. h. zu den Siedlungsdörfern der Vorkriegszeit), an die mehrtägige Bildungsfahrt nach Bonn sowie an das Museumsfest im September.

Diese gemeinschaftlichen Aktivitäten hinterließen vielfältige Eindrücke bei Alt und Jung. Der Austausch von Erfahrungen, Informationen, Bildern und Erinnerungen über die Jahrzehnte hinweg ergänzt das Informationsangebot unseres kleinen Museums, in dem immer noch weitere Aussagen von Zeitzeugen willkommen sind. Für 2012 sieht der Heimatverein ein vergleichbares Programm vor. Ein Schwerpunkt soll die Jugendarbeit in Zusammenarbeit mit der Krakower Schule sein. Die diesjährige Museumstour steht unter dem Thema „Gutshäuser“. Eine Fernreise nach Sibirien, auf den Spuren von Umsiedlung und Gefangenschaft, organisiert Herr Bütow gemeinsam mit dem Verein „Bugholländer“.

Das 20-jährige Jubiläum des Museums soll festlich begangen werden mit Beiträgen zu Sitten und Gebräuchen aus ‚Wolhynien, aber auch mit einer Würdigung der Aufnahme in Mecklenburg und mit einem Blick in die weitere Zukunft. Im letzten Jahr konnten im Rahmen des Lokalen Aktionsplanes Güstrow zwei Projekttage mit Schülern der Krakower Schule und ihrer Lehrerin Frau Strübingin der Bildungsscheune Linstowdurchgeführt werden. Unter der Regie von Herrn und Frau Girke (Inhaber der Firma rotoso Berlin) stellten die Schüler ihre Kreativität unter Beweis, in dem sie zum Thema „Flucht und Vertreibung“ kleine Trickfilme produzierten. Die Schüler waren begeistert von den Projekttagen – es war Geschichtsunterricht mit Spaßeffekt.

Davon konnten sich die Anwesenden überzeugen, denn Herr Girke zeigte einen kleinen Film und Herr Kasper die passenden Fotos von den Projekttagen. Lt. Tagesordnung war die Neuwahl des Vorstandes vorgesehen und wurde auch durchgeführt. Der bisherige Vorstand wurde entlastet und folgende Mitglieder des Vereins wurden in den Vorstand gewählt:

  • Johannes Herbst – Vorsitzender des Vereins
  • Erika Werner – Stellvertreterin des Vorsitzenden
  • Margitta Schmoock – Kassenwart
  • Margit Borchardt – Schriftführer
  • Ernst Reimann – Ordnung und Sicherheit
  • Ingrid Wagner
  • Gerd Pflüger

Die Zusammenkunft klang aus mit einem stimmungsvollen Schlachtefest, das besonders an alte Traditionen anknüpfte. Es hatte allerhand Vorbereitungen erfordert – schließlich wird heutzutage nicht mehr auf jedem Bauernhof nach Bedarf geschlachtet. Doch kundige Hände sicherten eine wolhynische Mahlzeit mit Frischbraten (einem gulaschähnlichen Gericht, zu dem Kartoffeln und Sauerkraut gereicht wurden) und Grützwurst. Es blieben dann noch etliche Portionen Fleisch für den späteren Erwerb.Bei allen Teilnehmern, die zum Gelingen dieser Veranstaltung beigetragen haben, möchten wir uns ganz herzlich bedanken. 

Ingrid Wagner
Heimatverein Linstow e. V.


Nachlese 2011


29.09. bis 04.10.2011

Vereinsmitglieder, Förderer und Freunde des Heimatvereins Linstow e.V. waren vom 29.09. bis 04.10.2011 auf einer Bildungsreise nach Bonn unterwegs. Im Zusammenhang mit der Ausstellung im Haus der Geschichte über die Entwicklung beider deutscher Staaten nach 1945 und den Festlichkeiten der Bundesregierung zur Deutschen Einheit in Bonn wurde diese Reise organisiert. 

Am ersten Tag nach der Anreise wurde das Museum der Deutschen Geschichte besichtigt. Innerhalb einer Führung wurden die unterschiedlichen Entwicklungen Deutschlands nach Beendigung des zweiten Weltkrieges bis zur Wiedervereinigung anschaulich erläutert und dargestellt. In der westlichen Besatzungszone gelang es mit Unterstützung der Alliierten das Entwicklungspotential Deutschlands kontrolliert zum Aufschwung für das ganze Land zu bewegen. Wirtschaftswunder, Eingliederung in die NATO und die EWG waren die konsequente Folge dieser Maßnahmen.

Im Unterschied dazu wurden in der sowjetischen Besatzungszone Reparationsleistungen erzwungen und politische Entscheidungen, die die Macht Stalins uneingeschränkt proklamierten als Wesenszüge der wirtschaftlichen und politischen Entwicklung des neuen sozialistischen deutschen Staates aufgezeigt. Erst die friedliche Revolution 1989 machte die Wiedervereinigung beider deutschen Staaten möglich. Die bildliche Darstellung dieser Geschichte führte bei allen Teilnehmern, durch Selbsterlebtes aus dieser Zeit zum Nachdenken. „Gänsehautfeeling“ natürlich bei den Erläuterungen und Zeitdokumenten aus der Wendezeit. Eine Ausstellung, die zum obligatorischen Schulunterricht gehören sollte. Dies wurde auch zusammen mit einem Gruß aus Mecklenburg ins Gästebuch eingetragen.

Am Abend wurde das Projekt „Zeitensprünge“ der Regionalen Schule Krakow am See durch die Projektleiterin Frau Strübing vorgestellt. Schüler haben in diesem Projekt über 4 Jahre Zeitdokumente aus der Zeit der friedlichen Revolution 1989 zusammengetragen. Interviews mit aktiven Bürgern, auch Mitgliedern unseres Vereins, aus dieser Zeit wurden geführt, Bildmaterial gesichtet und zusammengetragen und eine Ausstellung für Berlin, Jena und Tutzing zusammengestellt. Eine interessante Arbeit, die große Anerkennung erfahren hat. Der Leiter des Gästehauses des CJD Bonn, Herr Böker, war begeistert von dieser Leistung und bot Frau Strübing mit ihrer Projektgruppe einen kostenfreien Aufenthalt im Gästehaus des CJD Bonn an.

Am zweiten Tag wurde eine Reise nach Köln, mit Stadtrundfahrt und Dombesichtigung durchgeführt. Weiterer Höhepunkt war am dritten Tag eine Rheinfahrt nach Remagen. Dort wurde das Friedensmuseum, errichtet innerhalb eines übrig gebliebenen Brückenkopfes, besichtigt. Die Brücke wurde berühmt, da sie von den Deutschen durch Zufall, Unfähigkeit und Mut nicht zerstört wurde und somit unplanmäßig den Amerikanern eine Überquerung des Rheins im März 1945 ermöglichte. Hitler ließ daraufhin fünf ranghohe Offiziere durch ein fliegendes Standgericht wegen Sabotage zum Tode verurteilen. Innerhalb von 24 Stunden konnten 8000 Soldaten die Brücke überqueren. Der damalige General und spätere Präsident der USA Eisenhower sagte nach der Überquerung der Amerikaner: „Die Brücke ist ihr Gewicht in Gold wert.“ Zehn Tage später stürzte die Brücke dann doch durch die Folgen der Kriegsereignisse ein und wurde nicht wieder aufgebaut. Weitere Programmpunkte, die nicht unerwähnt sein sollen, waren ein Rundgang durch den Botanischen Garten Poppelsdorf, ein Ausflug in die Eifelausläufer mit einem Besuch des Kurortes Bad Münstereifel und ein Blick vom Loreley-Felsen.

Am letzten Tag vor der Abreise haben sich alle Teilnehmer die Veranstaltungen zur offiziellen Feier der Bundesregierung zur Wiedervereinigung angesehen. Eine gelungene Veranstaltung, auf der alle Ländervertretungen sich repräsentieren konnten und viel Interessantes an den aufgebauten Ständen zeigten. Am 04.10.2011 endete die Reise. Wir möchten uns herzlich beim CJD in Bonn für die freundliche Betreuung während unseres Aufenthaltes im Gästehaus bedanken und bei all jenen, die zum Gelingen der Bildungsreise beigetragen haben. Beispielhaft seien hier Frau Lengnink, Frau Strübing, Herr Kasper und Herr Reimann genannt.

Finanziell unterstützt wurde diese Fahrt von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus dem Etat der Kulturreferentin für Wolhynien Magdalena Oxfort M.A.

G. Schmoock
Heimatverein Linstow


Eine Abordnung von vier Mitgliedern des wolhynischen Heimatvereins Linstow unternahm kurz vor Weihnachten eine Fahrt nach Wiesentheid zu Nikolaus Arndt, der dort mit seiner Familie wohnt und jetzt seinen 83. Geburtstag feiern konnte. Geboren wurde er in Wolhynien, im Westen der heutigen Ukraine, von wo er 1940 die Umsiedlung nach dem Warthegau miterlebte. 1945 musste die Familie auch die neu gewonnene Heimat im Warthegau verlassen. Die Flucht nach Deutschland endete für ihn und seine Familie in Franken.

Aus seiner Erfahrung und seinem Wissen heraus steht er seit den 90er Jahren dem Linstower Heimatverein beim Aufbau des Umsiedlermuseums mit Rat und Tat zur Seite. Es galt nun ihm Dank zu sagen für seinen unermüdlichen Einsatz zur Aufarbeitung der wolhynisch-deutschen Geschichte und für seine Tätigkeit im historischen Verein, der 1976 in Wiesentheid gegründet und dessen erster Vorsitzender er wurde. Die Linstower Besucher wurden bei ihrer Ankunft mit typischer wolhynischer Gastfreundschaft begrüßt. Seine Schwester Tatjana Stebner hatte ein fränkisches Mittagessen bereitet, dazu gab es Frankenwein. Nikolaus Arndts Arbeitszimmer ist voll von Büchern, Ordnern, Fotoalben und Dokumenten über Wolhynien, aus denen sowohl die Geschichte der Wolhynier – Flucht und Vertreibung – als auch seine persönliche Lebensgeschichte mit ihren wichtigsten Stationen deutlich wird.

Die Besucher waren beeindruckt von der liebevollen Art, in der Herr Arndt an die Vergangenheit zurück dachte. So war das Miteinander der Ukrainer, Juden, Russen, Polen, Tschechen und Deutschen durchaus friedlich gewesen und unser Gastgeber wurde nicht müde, den Frieden als hohes Gut hervorzuheben. Sehr nachdenklich wurde er bei der Schilderung angesichts all der Wunden, die der Krieg geschlagen hat, doch bei diesen tragischen Erfahrungen wollte er nicht weiter verweilen. Die Zeit des Besuches in seinem Archiv und Büro war viel zu kurz, um all die weisen Erkenntnisse aus seinen umfangreichen exakt aufgezeichneten Forschungsergebnissen gedanklich zu verarbeiten.

Als Beispiel nehmen wir einen seiner besonderen konstruktiven Sätze mit nach Linstow, um ihn mit unseren Kindern zu beherzigen: „Die Weltsprache Englisch zu erlernen ist schön und gut, aber das Erlernen der Sprache unserer Nachbarn ist genauso wichtig.“ Solche Erwägungen tragen bei zur Versöhnungsarbeit, bei der es um Zuwendung und gegenseitige Wertschätzung geht. Den Fehlentwicklungen des 20. Jahrhunderts indessen sei ein nachdrückliches „Nie wieder!“ gewidmet. Die guten Vorsätze sollten uns heilig sein. 2012 feiert der Linstower Heimatverein sein 20jähriges Bestehen, dazu ergeht eine herzliche Einladung der Familie Arndt und Stebner. Zum Abschied wurde als Dankeschön ein frisch verfasstes Liedchen gesungen. Für alle Liebe und Mühe gilt dem Jubilar und seiner Familie ein herzliches Dankeschön. 

Ingrid Wagner, U. Kasper
Heimatverein Linstow e. V.



Die Bildungsreise wurde organisiert vom Heimatverein Linstow e. V. unter der Leitung von Oliver Behre, Christiane Lengnink und Johannes Herbst. Am 15.07.2011 startete die Reisegruppe mit einem Bus des Reisebüros „Polen-Reise“ Berlin in Linstow. Reiseleiterin ab Krakau war Barbara, einigen bereits bekannt als Stadtführerin von Krakau. Nachdem in Berlin am Flughafen Teilnehmer dazu stiegen, war die Reisegruppe vollständig und die Fahrt konnte Richtung Polen beginnen. Im Reisebus stellten sich die Teilnehmer vor und einige berichteten, welche Heimatkolonien sie in der Ukraine aufsuchen werden. Die Reisegruppe bestand aus 35 Teilnehmern, die älteste Teilnehmerin war 83 Jahre und die jüngste 9 Monate alt bzw. jung.

Gegen Abend erreichten wir Krakau, die schöne Stadt, die einigen von der Bildungsfahrt 2010 bekannt war. Wie im Jahr 2010 übernachteten wir in der Pension „Patria“ Wer Lust hatte, konnte nach dem Abendbrot in Begleitung von Barbara durch das nächtliche Krakau bummeln. Am nächsten Tag ging es nach dem Frühstück weiter Richtung Ukraine. An der ukrainischen Grenze mussten wir drei Stunden warten, hatten dabei aber Glück, denn neben uns standen Lastkraftwagen an Lastkraftwagen kilometerweit auf der Spur. Einige nutzten die Zeit an der Grenze, um im Kantor Geld umzutauschen.

Vom Reisebus aus konnten wir ärmliche Häuser, aber auch neue prächtige Häuser sehen. Ein fast einstündiger unerfreulicher Aufenthalt in der Stadt Lwow (ehemals Lemberg) führte dazu, dass wir erst gegen 24.00 Uhr in Luzk ankamen. Die Mitarbeiter des Hotels „Ukraina“ und unsere dortige Reiseleiterin Swetlana erwarteten uns und empfingen uns mit einem großen Abendbrot. Der vorgesehene abendliche Bummel durch Luzk musste entfallen, denn alle Teilnehmer bezogen ihre Zimmer und wollten nur schlafen. Am nächsten Tag nahmen wir am evangelischen Gottesdienst in der deutschen lutherischen Kirchengemeinde Luzk teil mit anschließendem Mittagessen. Am Nachmittag führte uns Swetlana mit einer Stadtführerin durch die Altstadt von Luzk. Am Abend gab es ein Abendessen im Restaurant „Sadyba na Dzherelach“. Dieses Restaurant war typisch ukrainisch eingerichtet und es gab ukrainische Spezialitäten, die sehr gut schmeckten. Anschließend konnten wir die gesamte Anlage besichtigen, die sich in einem kleinen Wäldchen befand. Dort hielten wir uns noch einige Zeit auf, sangen und unterhielten uns mit unseren ukrainischen Freunden.

Am 18.07.2011 brach die erste Gruppe von unseren Teilnehmern in ihre ehemaligen Heimatkolonien auf. Am Abend berichteten sie über ihre Kontakte, die sie vor Ort geknüpft hatten und über ihre Erlebnisse in den ehemaligen Kolonien. Einige konnten mit Zeitzeugen sprechen und fanden alte Häuser oder Kirchen vor. Der Besuch der Orte, in denen ihre Vorfahren einst gelebt haben, war für die Teilnehmer ein großes Erlebnis. Ihre Freude darüber, dass sie die Heimat ihrer Vorfahren besuchen konnten, war für uns berührend. Am Abend trafen wir uns vor der evangelischen Kirche mit Dr. Kostiuk, Sascha und Mitgliedern der evangelischen Kirche, um mit Musik und Tanz diesen schönen warmen Sommerabend ausklingen zu lassen.

Am 19.07.2011 vormittags war Freizeit angesagt und einige bummelten über den Luzker Markt. Hier konnte man fast alles kaufen Obst, Fleisch, Fisch, Textilien, Souvenirs usw., eben ein so genannter Wochenmarkt. Am Nachmittag besuchten wir das ca. 20 km von Luzk entfernte Freilichtmuseum zur ukrainischen Landeskunde. Der Leiter des Museums empfing uns trotz der großen Hitze mit dicker Pelzmütze auf dem Kopf und in Kosakenuniform und führte uns durch das Museum. Auch das zugehörige Außengelände, ein typischer alter ukrainischer Bauernhof mit Nebengebäuden, wurde uns gezeigt. Sogar eine kleine Kirche und eine Schmiede gehörten dazu. Nach der Führung suchten wir uns ein schattiges Plätzchen auf dem Gelände und wurden von den Museumsmitarbeiterinnen mit ukrainischen Speisen und Getränken versorgt. Für Unterhaltung sorgte eine ukrainische Folkloregruppe mit schönen Gesängen. Als Dankeschön sangen wir ebenfalls, nämlich unser Wolhynierlied und andere deutsche Lieder. 

Am 20.07.2011 besuchte die zweite Gruppe die ehemaligen Heimatkolonien. Die anderen Teilnehmer fuhren nach Rositsche in ein Kinderheim für behinderte Kinder. Dort wurde der Spielplatz des Heimes verschönert, indem die Spielgeräte einen neuen Anstrich bekamen. Als Dankeschön gab es Kaffee und Kuchen von den Mitarbeiterinnen des Heimes. Ursprünglich war die Pflege eines Soldatenfriedhofes vorgesehen, die leider an der Bürokratie in Deutschland scheiterte. Am Nachmittag wurde die Lubard-Burg in Luzk besichtigt, die ursprünglich von Kreuzrittern errichtet wurde. Am Abend konnten die Teilnehmer von ihren Erlebnissen in den Kolonien berichten. Dies geschah in dem Restaurant „Drei Kronen“, in dem uns auch typisch ukrainische Spezialitäten angeboten wurden.

Am 21.07.2011 ging es etwas weiter weg nach Ostrog. Unterwegs machten wir Halt an einem Soldatenfriedhof, auf dem deutsche Soldaten bestattet waren. Auf der Gedenktafel waren die Namen mit Geburtstag und Todestag eingemeißelt und wir stellten fest, dass es sich bei den Soldaten um sehr junge Menschen gehandelt hat, die ihr Leben lassen mussten. Wir wurden hier an ein trauriges Kapitel der deutschen Geschichte erinnert. Weiter ging es nach Ostroc mit Führung durch die Altstadt und die Ostrozhi-Burg mit Museum. Unser letzter Tag in der Ukraine wurde in Rivne mit einem Folkloreabend gefeiert, der uns allen viel Spaß gemacht hat. Das Essen war wieder reichlich und vorzüglich. Gemeinsam mit Musik und Tanz klang dieser schöne Abend aus. Wer wollte konnte dort auch ukrainische Souvenirs kaufen.

Am 22.07.2011 verabschiedeten wir uns von unserer Reiseführerin Swetlana, den Mitarbeiterinnen des Hotels und von Dr. Kostiuk und Sascha und machten uns auf die Rückreise in Richtung Lodz. Dank Barbara erfolgte der Grenzübertritt problemlos, trotzdem mussten wir drei Stunden warten. Gegen 23.00 Uhr erreichten wir das Hotel in Lodz und begaben uns auf unsere Zimmer.

Am 23.07.2011 wurde Lodz, auch Manchester des Ostens genannt, besichtigt. Lodz, eine Metropole im ehemaligen Warthegau, ist durch den industriellen Aufschwung um 1830 auf Grund deutscher Weber und anderer Handwerker aus dem sächsischen Raum gewachsen. Noch heute kann man die Fabrikgebäude der ehemaligen Webereien und Spinnereien besichtigen. Sie werden heute als Kulturzentrum, Hotels, Einkaufszentrum und Sporthallen genutzt. Am Nachmittag nahm unsere Reisegruppe die Einladung der evangelisch-lutherischen Gemeinde Pabjarniza an. Am letzten Abend trafen wir uns alle in einem polnischen Restaurant in Lodz. Dieser Abend war etwas verhalten, denn wir waren alle etwas müde von den ganzen Eindrücken der letzten Tage. Danach spazierten wir durch das nächtliche Lodz zu unserem Hotel. Am 24.07.2011 fuhren wir zurück nach Deutschland. Wir verabschiedeten uns von Barbara, sie blieb in Lodz. In Berlin stieg ein Teil der Gruppe aus und die restlichen Teilnehmer fuhren nach Linstow. Beim Abschied haben wir versprochen, uns wieder zu sehen. Vielleicht bei der nächsten Fahrt oder zum Museumsfest. Die Bildungsfahrt wurde finanziell unterstützt von dem Bundesbeauftragten für Kultur und Medien, aus dem Etat der Kulturreferentin für Wolhynien Magdalena Oxfort M.A.

Christiane Lengnink 
Heimatverein Linstow e. V.

Ausflug nach Sliwniki

Am Samstag, den 23.7. 2011 trennen meine Mutter und ich uns nach der Stadtrundfahrt in Lodz von der Gruppe, um nach Sliwniki zu fahren. Meine Mutter hat in Sliwniki gewohnt. Sie ist als Kind von Sliwniki zu Fuß durch die Felder nach Ozorkow gegangen. Von dort ist sie mit der Tram 1 1/2 Stunden nach Lodz zur Schule gefahren. Die Linie 46 gibt es immer noch und ist mit 36 km Länge die längste Straßenbahnlinie Polens. Wir wollen ihren Schulweg noch einmal gehen bzw. fahren. Mit Hilfe der Reiseleiterin Anna kaufen wir Karten und setzen uns in die nächste Tram.

Zuerst fahren wir durch das jüdische Viertel. Das Ghetto Litzmannstadt, auch Ghetto Lodsch, in Lódz, unter der deutschen Besatzung umbenannt nach dem General und NSDAP-Mitglied Karl Litzmann (1850–1936), war von 1939 bis 1944 eines der größten Jüdischen Wohnbezirke / Judenghettos des nationalsozialistischen „Deutschen Reichs“. Es diente, wie die anderen NS-Ghettos auch, vor allem als Zwischenstation vor der Deportation in die Vernichtungslager Kulmhof (Chelmno nad Nerem), Auschwitz II, Majdanek, Treblinka und Sobibor. Meine Mutter erzählt mir, dass sie als Kinder das Ghetto nie beachtet haben. Sie hatten Angst vor den Juden. Man hatte ihnen fälschlicherweise erzählt, dass die Juden immer vor Ostern ein unartiges Christenkind schlachten. 

Außerhalb von Lodz kann meine Mutter ziemlich genau sagen was als nächstes kommt: Zgierz, die Abzweigung nach Aleksandrow , Wälder und in Ozorkow die Kirche, in der sie konfirmiert wurde. An der Endhaltestelle steigen wir aus. Meine Mutter ist etwas orientierungslos. Wir müssen in Richtung Parzeczew. Sie will in die eine Richtung, ich in die andere. Ich habe mich gut vorbereitet und mir einen Plan ausgedruckt. Aber um des lieben Friedens willen gebe ich nach und wir gehen zurück zur nächsten Kreuzung. Dort steht ein Schild: Parzeczew. Es zeigt in die Richtung, aus der wir gekommen sind. Meine Mutter will nicht zurück. Sie hat Hunger. Etwas weiter ist eine Bar. Ihr Polnisch ist wieder recht gut und sie fragt, ob es etwas zu essen gibt. Wir haben die Wahl zwischen Hot Dog und Hambugern. Jetzt ist sie nach Ozorkow gekommen um den ersten Hot Dog ihres Lebens zu essen. Ich drängele zum Aufbruch, weil uns die Zeit weg läuft, aber sie will mir erst noch Ozorkow zeigen und etwas zu Essen für die Rückfahrt am Sonntag kaufen. Ich merke: sie will nicht nach Sliwniki und sage es ihr den den Kopf zu. Sie antwortet: "Du und dein Sliwniki." - "Nicht mein Sliwniki, dein Sliwniki!"

Nein, sie will nicht nach Sliwniki. Sie will lieber nach Parzeczew. Dort war die Familie nach Kriegsende bei einer polnischen Familie untergebracht. Die Erinnerungen an Parzeczew sind nicht so schlimm wie an Sliwniki. Ich erinnere sie an Tutschin und zwinge sie förmlich mit mir nach Sliwniki zu gehen. Es wird ihr sonst wieder leid tun. Unterwegs erzählt sie mir von einer jungen Frau, die heiraten wollte. Das Brautkleid war schon fertig.Als die Russen einmarschiert sind wurde die Frau gezwungen ihr Brautkleid anzuziehen und wurde erhängt.

Sliwiniki besteht nur aus einer Straße und wir finden schnell die Stelle, wo das Haus gestanden hat. Rechts und links stehen noch Ruinen der Nachbarhäuser. Auch den Feldweg nach Ozorkow gibt es noch. Wir gehen diesen Weg zurück und als wir uns Ozorkow nähern erzählt sie mir wieder ganz genau was als nächstes kommt: die Bahn und das Gutshaus mit dem See, wo sie als Kind baden durfte. Auch andere Häuser erkennt sie wieder und findet den Weg zur Tramstation ohne Probleme. Wir nehmen die nächste Bahn und fahren zurück. Sie ist jetzt doch froh, hier gewesen zu sein. Sliwniki ist für sie schöner geworden. Tuczyn dagegen ist ungepflegter geworden. 

Birgit Mingen



Am 25.2.2011 hatte der Heimatverein in die Bildungsscheune eingeladen. Frau Oxfort Kulturreferentin für Wolhynien aus Münster hatte sich angesagt, um einem interessierten Publikum Westpreußen mit seiner deutsch-polnischen Geschichte in Form eines Dia-Filmes näher zu bringen. Sie ging mit uns auf eine Städtereise angefangen mit Thorn, Kulen, Marienburg, Elbing, Danzig, Gdingen, Zoppot, Oliva und endend mit der Kaschubei. Der Fach-Vortrag zeigte, dass in Polen ein grandioser denkmalpflegerischer Wiederaufbau geleistet wurde. Zwar haben die Städte Thorn und Krakau den zweiten Weltkrieg fast unversehrt überstanden, aber Danzig lag zu 90 % in Schutt und Asche. Von vielen Kulturdenkmälern war nur noch ein Steinhaufen geblieben, viele Kunstwerke unwiederbringlich vernichtet.

Die wieder aufgebaute Stadt Danzig ist schöner denn je und zu einem Tourismusmagnet geworden. Aber auch die anderen Städte können sich sehen lassen. Sie sind ebenfalls liebevoll restauriert worden. Wir können dankbar sein, dass das Land Polen nach dem verheerenden Weltkrieg hier u. a. auch deutsches Kulturgut wiederaufgebaut hat. Den detailgenauen Wiederaufbau konnte man gut an dem Vergleich der historischen und der neuen Fotos erkennen. Wir sagen Frau Oxfort herzlichen Dank für diesen Vortrag. Die DVD des Vortrags kann käuflich erworben werden. Informationen sind im Wolhynier-Museum Linstow erhältlich.

Herr Dr. Joost übergibt die Monographie „Die Wolhyniendeutschen – Geschichte einer Odyssee“ an den Heimatverein. Es ist eine 70-seitige wissenschaftliche Darstellung der Geschichte der Wolhynier von ihm erarbeitet worden, angefangen von der Auswanderung vor dem 1. Weltkrieg, der Flucht und Vertreibung, der Ansiedlung in Linstow und der geschichtlichen Aufarbeitung mit dem Bau des Umsiedler-Museums in Linstow. Anschließend fand die Mitgliederversammlung des Heimatvereins Linstow e. V. statt. Herr Herbst übernahm das Wort und informierte die Mitglieder des Vereins über Aktivitäten und Vorhaben des Vereins.

  • Veränderung der Küche im Stallgebäude: Die Gemeindearbeiter Gotthard Rössel und Frank Lewandowski bereiten den Einbau einer neuen Küche im Stallgebäude vor. Decke und Fußboden werden neu verlegt und danach erfolgt der Einbau der Küchenmöbel. Dank ging an die Gemeinde Dobbin-Linstow für die finanzielle Unterstützung beim Umbau der Küche 
  • Im April führen die Mitglieder gemeinsam mit der Patenklasse einen Frühjahrsputz durch (evtl. Gartenarbeit, Reinigungsarbeiten, Kochen und Backen). Der Termin muss mit Frau Strübing abgestimmt werden.
  • Ebenfalls im April am 16.4.2011 findet die 6. Museentour statt unter dem Thema: „Vom Korn zum Brot“.
  • Am 15.5.2011 ist Saisoneröffnung im Museum. An diesem Tag führt der Naturpark einen internationalen Wandertag durch, der um 9.00 Uhr auf dem Museumsgelände beginnt und am Nachmittag auch dort endet. Am Nachmittag findet wie gewohnt die Saisoneröffnung in der Bildungsscheune mit Kaffeetafel statt.
  •  Zu den Bundeskulturtagen in Fulda hat Herr Dr. Sprungala, Vorsitzender der Landsmannschaft Weichsel-Warthe, Mitglieder des Vereins eingeladen.
  • Vom 15. – 24.7.2011 geht es auf Bildungsfahrt in die Ukraine.
  • Das 19. Museumsfest findet vom 2. – 4.9.2011 statt. Der Freitagabend wird vom Historischen Verein Wolhynien gestaltet. Weitere Ideen für die Gestaltung des 19. aber auch des 20. Museumsfestes sind erwünscht.
  • Erarbeitung einer Museumskonzeption:
    Der Heimatverein Linstow hat sich zur Aufgabe gemacht, nicht nur Dinge aus vergangenen Zeiten zu sammeln und zu zeigen, sondern einen außerschulischen Lern- und Bildungsort aufzubauen. Themen wie Flucht und Vertreibung, Migration und Integration sollen anhand der Geschichte der Wolhynier pädagogisch aufgearbeitet und an die junge Generation und auch andere Interessierte (Multiplikatoren) weitergegeben werden. Diese Aufgaben können nicht mehr nur von ehrenamtlich tätigen Mitgliedern des Heimatvereins übernommen werden. Eine institutionelle Förderung von Personalstellen, die ein erarbeitetes Museumskonzept voraussetzt, ist daher erforderlich. Dazu hat sich eine Arbeitsgruppe gebildet aus Vertretern des Vereins aus Linstow und Partnern, wie die Schule, das Regionalmanagement des Amtes Krakow am See unter Mitwirkung der Uni Rostock und des westpreußischen Landesmuseums sowie des Hilfskomitees der ev.-luth. Deutschen aus Polen. Das Museumskonzept liegt vor und wird bei den erforderlichen Institutionen vorgelegt.
  • Am 9.9.2011 findet die zweite Reutertour statt.
  • Eine zweite Vereinsfahrt führt uns vom 29.9. – 4.10.2011 nach Bonn. Der Besuch des Hauses der Geschichte, die Besichtigung der Stadt Köln und eine Rheinfahrt sind geplant.
  • Zurzeit wird von Herrn Dr. Sprungala die Wanderausstellung „Die Geschichte der Wolhyniendeutschen“ erarbeitet. Angestrebter Fertigstellungstermin ist der 3.9.2011.
  • Ein Aufruf ging an die Mitglieder, die die Ankunft in Linstow nach dem 2. Weltkrieg erlebt haben, ihre Erlebnisse von dem ersten Tag und der ersten Nach hier in Linstow zu Papier zu bringen. 
  • Frau Oxfort bedankt sich bei den Mitgliedern für die gute Zusammenarbeit und sagt die Teilnahme am 19. Museumsfest zu.
  • Herr Bütow verliest ein Grußwort von Herrn Dr. Betz, Vorsitzender des VDA und Chefredakteur der Zeitschrift „Globus“.

Anschließend gab es in gemütlicher Runde für alle ein Abendessen.